Montag, 30. Mai 2011

Teamevent

Montag, es ist Montag. Wäre es nicht schön gemütlich aufzustehen, ein Frühstück einzunehmen, sich darauf folgend entspannt an den Schreibtisch zu setzen und das Tagwerk zu verrichten? Nein, ich könnte mitnichten einen dieser Jobs ausüben, der mich tagtäglich ins Büro zwingt, um mich tagaus, tagein dem immerwährenden Trott hinzugeben. Nur manchmal, manchmal wäre es dann doch ganz schön ein wenig Konstanz in den Alltag zu bekommen, um acht die Rechenmaschine ein-, gegen fünf diese wieder auszuschalten.
Ich will mich nicht beklagen, es geht nach Ungarn und Rumänien in den kommenden vier Tagen. Aber muss es immer Montag, der Tag nach Sonntag, der Morgen nach dem Tatort sein? Die Reise beginnt früh. Der Wecker klingelt bereits um fünf Uhr. Wäre es ein normaler Tatortsonntag gewesen, so fiele mir das Aufstehen nicht ganz so schwer. Es war ein Halbmarathonsonntag, einer, an dem ich mich über 21,2km bergauf, bergab in Ziel geackert habe. Immerhin 1h 53Min, eine Verbesserung von über 6 Minuten im Vergleich zum Vorjahr. Meine Betonwaden aus dem Bett gehievt, begebe ich mich ins Bad, frühstücke danach und packe meine sieben Sachen, um gen Flughafen zu fahren. Das einzig Positive was ich dem frühen Aufstehen abgewinnen kann, ist die Ruhe auf den Straßen. Alles ist noch in den Schimmer der Straßenlaternen gehüllt, hie und da ein Pendler der sich auf die Reise begeben hat, sonst nur Ruhe auf den sonst so stark befahrenen Straßen.
Am Flughafen angekommen sehe ich mich dem ersten (und nicht letzten) Stress des Tages ausgesetzt. Eine Bombenwarnung hat dazu geführt, dass sämtliche Sicherheitskontrollen vorerst geschlossen wurden und ich meinen Flug bereits ohne mich an Board abheben sehe. Glücklicherweise jedoch dauert das Spektakel nur 15 Minuten, in welchen ich ein angenehmes Gespräch mit einem Wirtschaftswissenschaftler führe, der gerade auf dem Weg zu einem Kongress der europäischen Union ist – in Budapest. Dass dies noch Folgen für die kommenden Tage haben würde, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.
Einen unspektakulären Flug hinter mir erreiche ich den Budapester Flughafen, auf dem bereits einige meiner Teammitglieder, welche ich zu ausgewählten Lieferanten führen werde, warten sollten. Einen VW Sharan hatte ich bestellt, wir werden zu sechst die nächsten Tage durch den wilden Osten fahren. Die Finnen kommen, ein Anfang ist gemacht. Fehlen noch ein Berliner, ein Lübecker und ein französischer Schweizer. Auch diese trudeln so nach und nach ein, wobei der Lübecker es sich anders überlegt und die Reise kurzfristig abgesagt hat.
Ich schlüpfe in meine weiteren Rollen, der eines Chauffeurs, der eines Gruppenbetreuers, der eines All-In-One Kindermädchens. So fahren wir zum ersten und einzigen Lieferanten am heutigen Tag nach Kecskemét, gute neunzig Minuten entfernt von Budapest. Der Besuch verläuft reibungslos, ein Werksrundgang, diverse Präsentationen, einige Gespräche – mehr sollte es nicht sein für diesen Tag. Kaum Verkehr auf der Autobahn, prima, wir sollten bald im Hotel sein. Bis, ja bis zu dieser vermaledeiten Baustelle, aufgrund welcher die Fahrbahn in zwei Streifen geteilt und getrennt wurde. Ich entscheide mich für die rechte Fahrspur – ein Fehler. Führen im Heimatland idealerweise beide Bahnen im späteren Verlauf wieder zueinander, so scheint dies in Ungarn anders zu sein. Die rechte Spur fährt ab – in die Pampa, Puszta, nach Pimpelhausen. Jedoch nicht nach Budapest! Wie weit ein, zwei kleine Richtungsentscheidungen sein können, zeigt sich beispielhaft auf dieser Fahrt.  Einen Umweg nach dem anderen, erreichen wir nach gut einer Stunde zusätzlicher Fahrtzeit, den Rand der Gulaschrepublik. Mehr unfreiwillig biete ich meinen Mitreisenden zusätzlich noch eine kleine aber feine Rundfahrt durch die Vororte Budapests, da ich wohl die falsche, wenn auch gleichlautende Adresse in das sonst tadellos arbeitende Navigationsgerät eingegeben habe.
Das Hotel ist in Sichtweite, nun kann nichts mehr schief gehen. Zu früh gefreut. Ein guter Platz für einen U-Turn denke ich mir, genügend Raum habe ich. Sodann in die Eisen gestiegen, das Lenkrad herumgerissen und in die Parallelfahrbahn eingebogen, sehe ich meine und unsere letzten Sekunden unseres Lebens nahen. Ich habe auf einer der wohl stark befahrensten Kreuzungen Budapests gewendet, die kreuzende Fahrbahn sowie deren Ampelwechsel auf Grün nicht erkannt, und sehe auf drei Spuren und zwei Richtungen Fahrzeuge auf uns zurasen. Das war knapp, eine Sekunde später hätte diese Reise ein jähes Ende finden können. Nun ist genug für heute, nur noch ins Hotel, die Füße hochgelegt. Kann an einem Montag eigentlich ein Freitag der 13. sein?
In der Hotellobby das nächste Fiasko. Die fest gebuchten und bestätigten Zimmer meiner Kollegen sind – man halte sich fest – aufgrund eines Kongresses der europäischen Union aufgrund unserer Spätanreise neu vergeben worden. Nur das Meine, wurde aufgrund meiner güldenen Mitgliedschaft weiter geblockt. Einige erzürnte Gespräche und Verhandlungen  später, ziehen die Finnen in eine Suite, teilen sich fortan für die nächsten drei Nächte ein Badezimmer. Die Schweiz und Berlin werden an die Donau, in ein Schwesterhotel verfrachtet. Ein Abendessen später liege ich erschöpft in die Laken meiner Hotelpritsche eingehüllt und schlummere. Der zweite Tag beginnt.
Lässt sich der Vortag noch als spektakulär beschreiben, so gibt es über den Zweiten recht wenig zu berichten. Zwei Werke eines unserer größeren Lieferanten besuchen wir, fahren durch teils malerische Landschaften, führen zahlreiche Gespräche, erörtern potentielle Aufträge und lassen den Tag mit einem gemeinsamen Abendessen ausklingen. Nur für mich wartet noch ein langer Abend, habe ich heute das jährliche Personalgespräch mit meinem US-Vorgesetzten. Gegen zwölf ist auch dies geschafft. Keine sechs Stunden später reißt mich der Wecker aus dem Schlaf, entsprechend trunken vollführe ich die schnelle Körperreinigung, eile zum Frühstück und packe meine Kollegen, um nach Rumänien, ins vier Stunden entfernte Satu Mare zu fahren.
Heute sind wir mit zwei Fahrzeugen unterwegs, mein Lieferanten-Key-Account begleitet uns. Eine schöne Gelegenheit das Steuer einem der Finnen zu überlassen, ich genieße das Beifahrerdasein und den Platz im Wagen meines Lieferanten. Bei einer Fahrtzeit von gut vier Stunden ist dies auch gut so, fahren wir doch bereits nach der Besichtigung der beiden rumänischen Standorte wieder zurück. Die Zeit im Fahrzeug meines Gegenübers ist gut genutzt, aktuelle Projekte besprochen, Schwierigkeiten und Kritiken werden ausgetauscht, analysiert und Aktionen zur Behebung besprochen. Nur die Verfolgung des zweiten Fahrzeugs bereitet mir etwas Kopfzerbrechen. Die allseits bekannte Gelassenheit der Skandinavier, Schrägstrich Finnen, kommt auch in der Fahrweise des nordeuropäischen Lenkers zum Ausdruck. Nur schwerlich kann er Schritt bzw. Fahrt halten und wir müssen diverse Male, insbesondere in Ortschaften warten und darauf hoffen, dass er dem Navigationssystem folgt.
Satu Mare, eine grenznahe Stadt Rumäniens, eine der Metropolen des Landes, eine Stadt im Wandel und vor allem: eine Stadt der mannstiefen Schlaglöcher. Nicht wenige Male sehe ich uns im Ford Mondeo meines Lieferanten in die Tiefen der Erde, zum Mittelpunkt des Planeten stürzen, dem Nirwana  aller Satu-Mare Handelsreisenden. Nicht ganz so tief, jedoch die Lendenwirbel beanspruchend, holpern wir von einer Senke in die nächste, bevor wir endlich das erste Werk erreichen. Auch hier werden wir erwartet, zunächst jedoch vom werkseigenen Schäferhund, welcher uns nicht aus den Augen lässt, ehe wir hinter den Toren des Fabrikgeländes verschwinden. Ich bin überrascht, sehe ich heute den beeindruckensten, saubersten und vielleicht auch in Teilbereichen interessantesten Standort. Nach einem längeren Produktionsrundgang, dem Besuch des Zweitwerkes und Gesprächen machen wir uns gegen 16:00 Uhr auf den Rückweg. Zurück durch die Untiefen Satu Mares, durch das Verkehrschaos der Stadt, deren Straßenbild noch immer von etlichen Skodas, Trabants  und Ladas der Vorwendezeit geprägt wird. Knappe 3 Stunden später wechsle ich das Fahrzeug, fahren ich und meine Teammitglieder zurück ins Hotel, während sich mein Geschäftspartner auf seinen eigenen Rückweg begibt. Angekommen in Budapest genießen wir ein schmackhaftes Abendessen in einem traditionellen ungarischen Gasthaus, gefiedelter Tischmusik inbegriffen.
Ein letztes Mal heißt es diese Woche vor sechs Uhr morgens aufstehen, ich trete meine Rückreise an. Vier Tage voller Termine, Gespräche, Überraschungen und Skurrilitäten geht vorüber. Ich bin geschafft und erschöpft, jedoch auch froh, diese Reise angetreten und zum Erfolg geführt zu haben. Nicht lange lässt die nächste Reise dieser Art auf sich warten, Ende Mai ist es bereits wieder soweit wenn es heißt: Auf zu altbekannten und neu zu entdeckenden Pfaden!

Dienstag, 26. April 2011

Wien und Ungarn an einem Tag


Früh, sehr früh muss ich heute einmal wieder aufstehen, ein langer Tag steht mit bevor. Wie gerne würde ich gemütlich aufstehen, duschen, den Tag mit einem kleinen Frühstück beginnen. Eigentlich hasse ich solche vollgepfropften Tage, welche, an denen ich von früh morgens bis spät abends unterwegs bin, um Gespräche zu führen und Firmen zu besichtigen.
Auf der anderen Seite mag ich es - wenn möglich – vermeiden, eine Nacht in einem Hotel zu verbringen. Heute geht’s nach Wien, die Produktionswerke  eines Hersteller von Netzkabeln in Österreich und im grenznahen Ungarn zu besuchen. Für alle die es nicht wissen, handelt es sich bei Netzkabeln um die Kabel, die an jedem stromführenden Gerät befestigt sind, also die Kabel, die in die Steckdose eingesteckt werden.
Am Flughafen werde ich bereits vom Prokuristen dieses Unternehmens freundlich empfangen. Wir werden heute gut elf Stunden miteinander verbringen. Zunächst führt die Fahrt nach Ungarn, wo sich der Low-Cost-Standort des Lieferanten befindet. Die Fahrt ist kurzweilig, Firmendetails werden bereits bei selbiger ausgetauscht, um Zeit zu sparen. Nach gut eineinhalb Stunden erreichen  wir unser erstes Ziel. Ich bin beeindruckt von der Sauberkeit, der guten Organisation der Fertigung. Nicht gerade üblich im Vergleich mit anderen Netzkabelherstellern, welche ich beispielsweise schon in China und Indonesien besichtigt habe. Unüberhörbar kurrt mein Magen, was meinen österreichischen Gastgebern nicht verborgen bleibt. Natürlich auch ganz eigennützig machen wir uns auf in ein typisch ungarisches Restaurant, um dort Gulasch, Topfenfleckerl und verschiedene süße Palatschinken zu Mittag zu verspeisen. Da die Zeit drängt, geht es direkt weiter in das Wien-nahe Stammwerk, welches die glorreichen, vergangenen Industrialisierungszeiten erahnen lässt. Auch hier zeige ich mich beeindruckt, habe ich doch noch nie eine vollautomatische Fertigungsstraße von Netzkabeln gesehen – Automatisierungstechnik pur! Dem Rundgang folgen Gespräche, sowie die Übergabe von Anfragepaketen.
Es ist bereits 18:00 Uhr, als ich mich am Flughafen absetzen lasse, einchecke und mich in die Senator-Lounge begebe. Ein langer Tag neigt sich dem Ende, zum Abschalten genehmige ich mir einen Gin-Tonic, sowie einen Happen zu essen. Eine Woche im Büro liegt vor mir, bevor es wieder nach Osteuropa geht -  wie freue ich mich auf diese Zeit. Es ist 21:30 Uhr, ich bin Daheim angekommen, ich freue mich auf Zweisamkeit!

Kurztrip nach Berlin


Es ist wohl schon knapp 4 Wochen her, dass ich zu zwei kurzen Trips nach Berlin und eine Woche später nach Wien aufgebrochen bin. Dennoch möchte ich hier kurz darüber berichten. Nebst Frankfurt, Budapest, Chicago und – man glaub es kaum – San Francisco, zählt Berlin zu meinen häufigsten Destinationen in den vergangen 16 Monaten.
Auf diesem kurzen Abstecher stehen Gespräch mit Einkäufern aus meinem Team, sowie ein Treffen mit einem bevorzugten Lieferanten auf dem Programm. Auf längeren Reisen bevorzuge ich es einen Mietwagen zu nutzen, der Flexibilität und er Kosten wegen. Heute schwinge ich mich jedoch in ein Taxi. Einen entscheidenden Vorteil hat das Taxi – ist man redselig aufgelegt, so findet sich in Person des Taxichauffeurs meist ein entsprechender Gegenpart, mit welchem man in kürzester Zeit die wichtigen Themen unserer Zeit vollumfänglich erörtern kann.  So geschehen auch diesmal, wobei sich die Konversation hauptsächlich auf die Bundespolitik, inhaltlich sowie personell, konzentriert. Es ist kaum zu glauben, schaffen wir es doch, innerhalb von vierzig Minuten einen Konsens, sowie Vorhersagen zu den bundespolitischen Auswirkungen der Atomkatastrophe von Fukushima, der Umsturzwahl in Baden-Württemberg und der Zukunft Jürgen Trittins herbeizuführen.
Schon allein deswegen hat sich diese Reise in die Hauptstadt gelohnt. Angekommen bei unserer Niederlassung führe ich wie bereits erwähnt Gespräch mit Einkäufern, dem Lieferanten und dem Werksleiter, bevor ich, früher als geplant, wieder an den Flughafen fahre. Dort angekommen versuche ich am Abfluggate – dank flexibler Firmenbuchungsklasse – auf einen früheren Flug zurück nach Frankfurt gebucht zu werden. Freundlich und bestimmt wird mir jedoch mitgeteilt, dass diese Klasse heute bereits auf dem früheren Flieger ausgebucht und ich somit nur durch Aufzahlung und Umbuchung über mein Reisebüro mitfliegen könnte. Heute scheint ein Drachentag bei der LH zu sein. Dann also Plan B. Ich eile schnellen Schrittes an den abgetrennten First-Class Checkin, welcher mir als Senator offen steht. Dort angekommen zähle ich auf die Loyalität meines mir vertrauten Gegenübers, der mich schon diverse Mal eingecheckt bzw. umgebucht hat. Mit ein wenig Charme, welchen ich von Zeit zu Zeit durchblicken lasse, händigt mein freundlicher „Stammeinchecker „ eine Bordkarte für den nächsten Flug aus, zu welchem ich mich umgehend aufmachen soll. Gesagt getan schlendere ich durch Tegel, ein Grinsen im Gesicht vorbei am LH-Drachen, durch die Sicherheitskontrolle zum Gate 9. Wie so oft stehe ich hier in einer Menschenmasse, welche auf Einlass in den Flieger wartet. So stelle ich mich neben einen großgewachsenen, schlanken Mann, welcher einen Tablet-PC in der Hand hält und darin Inhalte der „Grünen“ studiert. Es ist Jürgen Trittin.
Weniger ihn selbst, als vielmehr die umstehenden Mitflieger beobachte ich, unter welchen einige den Politstar erkannt haben und dies ihren Nebenstehern nun tuschelnd mitteilen müssen. Eine Durchsage durchdringt die Wartehalle, es werden die letzten vier Passagiere der LH-Maschine nach Düsseldorf auf Gate 8 aufgerufen, u.a. Frau Rita Süßmuth, Mrs. Rita Süßmuth. Kaum ausgesprochendrängt sich auch schon Letztgerufene durch die Massen an meinem Gate, hält kurz vor Trittin inne, um ihn – nach kurzer Begrüßung -  zu fragen, wo es denn nach Gate 8 gehe. Stoisch ruhig, mit sonorer Stimme grüßend deutet dieser nach rechts, worauf sich die ehemalige Vorsitzende des Bundestages bedankt und mit einem „Wir sehen uns dann heute Abend“ in Richtung Ihres Abflugsteiges begibt. Der Rest ist Routine, eingestiegen, Kopfhörer aufgesetzt und angeschaltet, damit den Lärm unterdrückt und gen Frankfurt aufgestiegen. Kurz und ereignisreich, mein Abstecher nach Berlin!

Freitag, 18. März 2011

Ein Arbeits-Besuch in der frühlingshaften Schweiz!


Es klackt und ruckelt, es zischt jedoch nicht. Kein Druck auf den Ohren, Musik jedoch schon. Ausnahmsweise bin ich heute nicht mit dem Flieger unterwegs, per Schiene fahre ich in mehr oder weniger gemächlichem Tempo in die Schweiz nach Zürich. Früh morgens um 6.57 Uhr fährt der IC in Richtung der Kantonshauptstadt ab, ohne Zwischenstopp werde ich vier Stunden später dort eintreffen. Aufgrund der hohen Frequentierung an diesem Tage habe ich mich für ein Ticket erster Klasse entschieden, welches mir tatsächlich ein ruhiges Dahingleiten in den Schweizer Polsternmöbeln ermöglicht.
Eine gute Stunde nach Abfahrt werde ich positiv von der Bahn überrascht. Bietet mir doch ein Zugbegleiter eine Zeitungsauswahl, immerhin war die Süddeutsche dabei, sowie einen kleinen Snack in Form von Knusperkugeln an. Muss ich dies nun bezahlen? Allen ernstes frage ich mich kurz vor dem Angebot des Bahn-Mitarbeiters, ob dies nun kostenlos sei, ist man es doch von der Bahn gewohnt, für jegliche Kleinigkeit einen Obolus entrichten zu müssen. Wider Erwarten bekomme ich die Zeitung samt zu Kugeln geformtem und mit Schokolade umhülltem Zwieback, mit einem Lächeln in die Hände gedrückt. Nicht, dass dies den enormen Preisunterschied zur zweiten Klasse rechtfertigen würde, jedoch ist dies immerhin ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.
In Zürich angekommen und weitere zwei Umstiege später komme ich in Rotkreuz dem Zielort meines heutigen Besuches an. Leider habe ich nur wenige Stunden, um mit einem Lieferanten ein intensives Gespräch zu führen. Jedoch werde ich diesen ohnehin kommende Woche in Berlin wiedersehen und somit alles weitere klären können. Nach getaner Arbeit sitze ich auch schon wieder in den Zügen zurück in die Heimat. War die Reise mit der Bahn nun angenehmer als mit dem Flugzeug? Nein meine ich. Natürlich, ich kann auf und ab gehen, mir die Füße vertreten. Jedoch muss ich auch alle paar Stunden mein Ticket samt Kreditkarte vorzeigen, um mich als der auszuweisen für den ich mich schon etliche Male zuvor auf der selben reise ausgewiesen habe. Eindeutiges Verbesserungspotential Herr Grube und Nachfolger!
Die Sonne geht unter, der Nebel taucht auf, es wackelt und ruckelt, ich selbst bin geschlaucht. Guten Abend!

Auf ein Neues!


Erinnert sich noch jemand an den vielen Schnee den wir Ende November und im Dezember 2010 hatten? Damals habe ich geschlagene 16 Stunden am Flughafen damit verbracht, mit welchem Flug auch immer in die Staaten zu gelangen. Dieses Mal, wir schreiben den 02. März 2011, herrschen keinerlei Widrigkeiten, die mir mein erneutes Unterfangen unmöglich machen könnten.
Ich reise in die Staaten, um dort einen Workshop zu leiten, sowie einem Treffen des globalen Einkaufsmanagements in Chicago beizuwohnen. Bevor es jedoch soweit ist heißt es zunächst früh aufzustehen, um meinen Flieger nach Mailand zu bekommen. Bereits um 5:30 Uhr schleiche ich mich aus dem Schlafgemach, mache mich flugtauglich, um kurz darauf per Mietwagen nach Frankfurt, Terminal 1, Halle A, Gate 34 zu gelangen. Meine Befürchtung, durch die Abgabe des Mietwagens in Zeitnot zu geraten hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Mein heutiger Reiseweg für mich also über Mailand nach Zürich, von dort nach New York JFK.
10 Minuten habe ich nach dem Check-In noch, um ans Gate zu gelangen und die Boardingzeit zu schaffen. Trotz einer endlos scheinenden Schlange im Fast-Track Bereich der Sicherheitskontrolle schaffe ich es noch, den Flug zu erreichen und bei herrlichstem Sonnenschein über schneebedeckte Alpengipfel in die norditalienische Metropole zu reisen. In den knapp zwei Stunden Aufenthalt erledige ich noch das ein oder andere Telefonat, bevor es mit einer nicht unerheblichen Verspätung gen Zürich geht, dieses Mal per Swiss Airlines, Business Class. Trotz der zeitlichen Hypothek erreiche ich meinen Flieger, einen Airbus A330 nach New York. Auf 6K, in vorderster Reihe, einfache Bestellung auf der linken Seite, nehme ich Platz. Zum ersten Mal, dass ich mit Swiss Langestrecke fliege und dazu noch in der neuen Business-Class Bestuhlung. Der Sitz lässt sich bei Bedarf zu einem zwei Meter langen, völlig flachen Bett verwandeln, mit dynamisch einstellbarer Polsterhärte. Mein Eindruck vom Interieur ist durchaus positiv, der Sitz bequem, etwas eng vielleicht für breitere Zeitgenossen. Lediglich mein, in der Mittelreihe, mit genügend Abstand also, grummelnder jüdisch stämmiger Sitznachbar sorgt für ein zwischenzeitlich unangenehmes Karma im vorderen Teil des Fliegers. Als er jedoch sein, in Plastikschälchen verpacktes koscheres Essen aus der Eco erhält, scheint die schlechte Laune für einen Moment verflogen zu sein.
Genüsslich verspeise ich dagegen mein auf ansprechendes Porzellangeschirr trapiertes Mittagessen, während ich mir die Fortsetzung von Wallstreet mit Michael Douglas ansehe. In weiser Voraussicht und nicht nur der Neugier wegen, lege ich mich danach schlafen, um einigermaßen in den Zeitverschiebungsrhythmus zu gelangen. Tatsächlich konnte ich schlafen, für gut fünf Stunden, der Sitz taugt tatsächlich was!
Nach erfolgreicher Landung strebe ich eiligen Schrittes in Richtung Immigration. Schließlich möchte ich noch ein bisschen was von Downtown New York mitbekommen, bevor ich bereits am nächsten Morgen wieder gen Madison/Wisconsin fliege. Als ich ums Eck biege fühlt es sich jedoch so an, als böge man im Auto um eine Kurve auf der Autobahn und stünde, nach erfolgter Vollbremsung, im kaum endlos erscheinenden Stau. Ein kurzer Blick aus den Fenstern in Richtung Rollfeld und Parkpositionen bringt Licht ins Dunkel. Ein Flieger aus Ägypten und ein Jumbo aus Israel sind parallel gelandet. Ein Blick auf die Köpfe und Kleidung  der sich durchschiebenden Menschenmassen erleuchtet, weshalb die Passkontrolle länger ausfällt als gewohnt. Zweieinhalb Stunden und etliche Gedanken an verpasste Schnappschüsse von New Yorks Highlights später, bin ich durch und samt Koffer per Taxi auf dem Weg zum Hotel an der Upper East Side. Nachdem das Lesegerät des Taxis meine Kreditkarte aus unerfindlichen Gründen nicht akzeptieren mag, springe ich kurz aus dem Fahrzeug, um Geld per EC-Karte abzuheben. Vermutet hatte ich es bereits, dass meine neu zugeschickte EC-Karte, welcher das Maestro-Symbol abhanden gekommen zu sein schein, nicht funktionieren könnte. Dass dem dann tatsächlich so ist, hätte ich jedoch nicht gedacht. Das wird ein Nachspiel haben liebe Postbank! Dank zweiter, noch älterer Haushaltskontokarte komme ich trotzdem an ein wenig Bares.
Es ist bereits nach sieben Uhr abends, als ich, nach erfolgtem Check-In, wieder durch die Straßen wirre auf der Suche nach der nächstgelegenen U-Bahnstation. Nach einem Hin- und her finde ich diese endlich und schaukle zur Wallstreet. Seltsam, aber ich komme mir komisch vor, als ich in der U-Bahn einen Apfel esse und daraufhin von de rein oder anderen Person entgeistert angesehen werde. Sollte ich diese beim nächsten Mal als Burger tarnen, um nicht gleich als Außerirdischer enttarnt zu werden?
Die Wallstreet! Es zieht und ist kalt, schließlich ist es noch immer Winter, wenn auch kein Schnee mehr zu sehen ist. Das bekannte Wallstreetgebäude der Börse ist kleiner als gedacht, vielleicht wirkt es aber auch nur so, da es entlang einer engen Straße liegt, welche von deutlich höheren Gebäuden gesäumt wird. Ich wandle ein wenig entlang des Broadways, mache einen Stopp, welcher mich sehr beeindruckt, am Ground Zero, drücke ein paar Mal auf den Auslöser meiner Kamera und entscheide mich, bereits wieder zurück ins Hotel und nicht noch zum Times-Square zu fahren, da mir mein Körper ein deutliches Zeichen gibt, sich nun endlich schlafen legen zu wollen. Wie vermutet, jedoch sicher auch ob der Gewissheit um 5.30 Uhr bereits wieder aufstehen zu müssen, wache ich mehrmals und letztendlich deutlich früher auf als gewünscht. Das wird ein Tag!
La Guardia, der dritte Flughafen New Yorks. Von dort aus fliege ich heute über Chicago nach Madison/Wisconsin. Vier Stunden dauert die Reise, nach einer Taxifahrt bin ich angekommen bei einer unserer Firmen, um dort einen Workshop zu leiten. Das Hotel, ein Courtyard by Marriott, ist nichts Besonderes. Der Workshop dagegen gestaltet sich interessanter, wenn auch schwieriger als erwartet, wir haben mit etlichen technischen Details, welche uns nicht vorliegen, zu kämpfen. Einen Tag und weitere Workshopstunden später, lasse ich mich von einem Nerd im Taxi an den Flughafen fahren – seltsame Person! Der kleine Airport von Madison bietet, abgesehen von Hansis Würstelstube (in Wisconsin lebt eine größere Gemeinde von, lt. Taxifahrerin, überwiegend Wurst und Käse fabrizierender Deutscher) kaum etwas, was die Wartezeit aufgrund der Verspätung des Fluges verkürzen könnte. So warte ich geduldig, ehe ich per Zigarre durch Gewitterfronten nach Chicago hüpfe. Ich freue mich darauf, die nächsten drei Tage bei Großtante und –onkel zu verbringen, einmal nicht in einem anonymen Hotel ohne jegliche Anbindung.
Es ist Samstag, Großkampftag! Da ich die Nacht über erstaunlich gut geschlafen habe, entschließe ich mich nach erfolgtem Frühstück, ins Chicago Premium Outlet zu fahren und den geplanten Unterschwäsche-Einkauf hinter mich zu bringen. Dass es dabei nicht bleiben wird hatte ich bereits im Vorfeld befürchtet. Dass ich jedoch mit fünf Hemden, einem Pullover, einem Pullunder, Unterhosen, Schokoladenfröschen und Schokogolfbällen und einem Bose Noise-Cancellation 15 Kopfhörer meine Rückreise zu Tantchen antreten werde, hatte ich nicht erhofft. Bereits fünf Jahre fliege ich, konstantem Fluglärm ausgesetzt, durch die Welt. Nun endlich habe ich mich davon überzeugen lassen, dass die erwähnten Fluggeräusche nicht nur dem Gehör, sondern den gesamten Körper durch Verspannungen schaden. Und tatsächlich diese Kopfhörer sind die Wucht, filtern sie doch nahezu jeglichen Lärm bestimmter, durch beispielsweise Fluggeräusche erzeugte Frequenzen, heraus.
Den Abend lasse ich im Kreise der Verwandtschaft mit den Blues Brothers und Indiana Jones 3 ausklingen, bevor ich am Sonntag für ein paar Stunden nach Downtown Chicago fahre, um etwas Großstadtluft zu schnuppern. 27 US-Dollar kostet mich der Parkplatz unter der Michigan-Avenue für drei Stunden. Welch ein Wucher seit meinem letzten Aufenthalt!
Gegen Sonntagabend heißt es jedoch vorübergehend schon wieder Good-Bye, da ich meine heute eintreffenden Kollegen am Flughafen abholen und mit ihnen zusammen ins Hotel ziehen werde. Die kommenden fünf Tage warten das Treffen des globalen Einkaufsmanagements, sowie einige andere Besprechungen und ein Lieferantenbesuch in Chicago auf mich. Nach einem raschen Abendessen mit meinen beiden aus Deutschland eingetroffenen Kollegen, ziehe auch ich mich ins Zimmer zurück, versuche mich am enorm lahmen Internet und beschließe recht bald mich Schlafen zu legen. Es ist Montag. Eigentlich wollte ich mich heute mit einem Lieferanten treffen. Aufgrund meines starken Hustens und folglich schlechter Stimme, verschiebe ich den Termin auf Donnerstag und treffe lediglich am Vormittag eine meiner Einkäuferinnen in einem Werk um Chicago. Da meine Kollegen das erste Mal in Chicago und obendrein voller Kaufeslust sind, fahren wir erneut in das Outlet. Zwei Stunden haben wir Zeit, bevor wir mit den amerikanischen Teammitgliedern zum Essen verabredet sind. Ich scheine von meinem Noise-Cancellation Kopfhörer derart geschwärmt zu haben, dass sich einer meiner Kollegen ebenfalls einen dieser Geräuschminimierer zugelegt hat und davon begeistert ist.
Den Abend verbringen wir teils in einem Webers, einem durchaus leckeren Steakrestaurant, bei uns bekannt durch die Weber-Kugelgrills. Ein New-York Strip, ein Guniness und eine kurze Autofahrt später bin ich wieder im Hotel. Noch vier Tage, dann geht’s heim. Bevor es jedoch soweit ist nehme ich noch am Meeting des globalen Einkaufteams des Konzerns statt, um dort interessanten Vorträgen zu lauschen, selbst einen zu halten und mich mit meinem Netzwerk auszutauschen bzw. dieses auszubauen. So ist es auch schon Donnerstag und ziehe aus dem Hotel aus, um für eine Nacht, der Nacht vor meinem Heimflug, wieder bei meiner Tante einzuziehen. Bevor ich dort jedoch nächtige, geht’s Downtown, mit meinen beiden deutschen Kollegen. Wir fahren in rauschender Geschwindigkeit innerhalb 40 Sekunden den Hancock-Tower nach oben, um Chicago im Glanze seiner Lichter mit umwerfendem Weitblick zu bestaunen. Ein herrlicher Anblick, der jeden der 16 Dollar wert ist. Ein weiteres Abendessen in einem Weber-Restaurant später und einer kleinen Irrfahrt zurück zum Tantchen, bin ich voller Vorfreude auf meine Heimreise. Diese trete ich ohne Verspätungen, jedoch mit dem Eindruck der ungeheuerlichen Erdbeben und Tsunami-Katastrophe, welche sich in Japan ereignet hat, am Freitagnachmittag mit der LH 434 nach Frankfurt an. Diese Reise habe ich hinter, den langen, langen ersten Tag zurück in Deutschland noch vor mir. Durchhalten ist angesagt! Die nächste USA-Reise ist schon gebucht, im Mai nach San Francisco per LH A380.

Donnerstag, 17. Februar 2011

In Mozarts Heimat


In meiner nun doch schon 5-jährigen Vielfliegertätigkeit ist es heute das erste Mal, dass ich in die Geburtsstadt von Wolferl Mozart fliege. Morgens hin, abends zurück, lediglich vierzig Minuten Flug trennen die Main-Metropole von den Salzburger Alpen.
Eigentlich hätte die Woche gänzlich anders verlaufen müssen. Noch am Samstag zuvor, gerade am Tag der Rückkunft aus dem Snowboard-Urlaub, hat mich dieses heimtückische Virus heimgesucht.
Drücken auf der Brust, Husten, die bei Erkältungsquerelen bekannten Gliederschmerzen und Schlappheit sind die Symptome des kleinen Querulanten in meinem Körper. Für Montag 8:30 Uhr ist mein Abflug nach Helsinki geplant, 4 Tage Finnland warten auf mich. Ich entscheide mich aus reiner Vorsicht dafür – nach getaner Flugumbuchung - erst einmal den Arzt meines Vertrauens aufzusuchen, welcher mir unmissverständlich wissen lässt, dass jegliche Reiseaktivitäten zu unterlassen sind. Schön, dann wohl doch keine minus 30 Grad in Oulu, in Mittelfinnland, doch keine Frostbeulen und schneegeschwängerte Landschaften samt eiszapfenbehangener Rentiere. Schade eigentlich!
Nun ist es also Freitag. Heute muss es klappen, vier Flüge konnte ich bereits diese Woche nicht wahrnehmen, da kann so ein kleiner Abstecher in die Alpenrepublik nicht schaden. Der Flug mit der Tyrolean Airways ist an und für sich kaum erwähnenswert, wäre da nicht, wenn auch nur für einen kurzen Moment, das Gefühl, heute von einem leibhaftigen Sternekoch in sein Heimatland geflogen werden. Die Stimme aus dem Cockpit könnte auch gerade eine Dessertvariation ankündigen, die heute der Pilot bzw. Sterninhaber bei seinem allwöchentlichen Auftritt bei „Lanz kocht“ kredenzen wird. Es ist die Stimme Johann Lafers, die in mir für einen Augenblick ein ungutes Gefühl bzgl. des bevorstehenden Fluges erzeugt. Schließlich besitzt das omnipräsente Küchenmonster die Lizenz zum Fliegen, wenn auch nur für Helikopter soweit mir bekannt.
Vierzig Minuten später landen wir auf dem schnuckeligen Flugplatz, Flughafen wäre wahrlich übertrieben, in Salzburg. Per Pedes kreuzen wir die Parkplätze der Flugmaschinen, um in das kleine Terminalgebäude zu gelangen. In Ljubljana, Mailand oder Florenz wären wir für die 100 Meter mit einem Bus abgeholt und 10 Sekunden später am Empfangsgebäude wieder abgesetzt worden. Man stelle sich die Langeweile des Busfahrers vor, der tagein, tagaus sein stattliches Gefährt lediglich 100 Meter hin und 100 Meter her bewegt. Sympathisch, dieses Salzburg!
7,40 EUR und einem kurzen, eher ungewollten Plausch, mit dem Taxifahrerspäter über seinen Kinder-Vernachlässigenden Nachbarn später, erreiche ich mein Ziel. Vor knapp einem Jahr haben wir diese kleine, gerade einmal 23-Kopf kleine Firma übernommen. Heute spreche ich zum ersten Mal mit dem Produktions- und seinem Einkaufsleiter über die von Konzernebene geforderten bzw. vorgeschlagenen Veränderungen. Diplomatie und zugleich Klarheit bzgl. der anstehenden Veränderungen sind heute gefragt. Keine leichte Aufgabe, jedoch kann ich heute guten Gefühls wieder in die Heimat reisen. Einen Schnitzelsemmel zur Mittagspause, Smalltalk und weitere Gespräche später, trete ich die Heimreise an. Der Tag verlief erfolgreich.
Kurze 40 Minuten später, so gegen 19:30 Uhr lande ich etwas holprig, jedoch sicher in Frankfurt und begebe mich schnurstracks nach Hause. Ich bin erschöpft!

Mittwoch, 26. Januar 2011

Rennstreckenprominenz


Kaum zu fassen! Ich bin schon wieder im Dienst, schon wieder! Irgendwie kam mir der Jahreswechsel in diesem Jahr schneller vor, also die Zeit zwischen dem letzten Arbeitstag des alten und dem Ersten des neuen Jahres. Schon seltsam, ob dies mit dem fortschreitenden Alter zu tun hat? Oder liegt es daran, dass ich mich zwischen den Jahren ungeheuerlich gut erholt habe. Die Zeit nach den Weihnachtstagen und den ersten Tagen des neuen Jahres habe ich an der dänischen Küste verbracht, weit weg von Internet, Emails, ja sogar Anrufen.

Nun stehe ich schon wieder am Gate. Ist es meine Pflicht als deutscher Staatsbürger meine erste Dienstreise im neuen Jahr der Hauptstadt zu widmen? Es könnte sein! Jedoch gibt es einen viel profaneren Grund. Zusammen mit meiner amerikanischen Kollegin werde ich einen Workshop in einem unserer Berliner Unternehmen leiten, zudem ein paar Gespräche führen.
Am Gate stehend gehen mir so einige Gedanken durch den Kopf, vor allem, wohin es mich in den kommenden acht bis zwölf Wochen verschlagen wird. Der Terminkalender ist schon gut gefüllt. Nach Berlin stehen Genf, Helsinki, Oulu, Salzburg, Hamburg an, danach geht es über den großen Teich zur ersten USA Reise in diesem Jahr. Was wohl dazwischen noch alles kommt?
Eine groß gewachsene Dame in den Endsechzigern, blondes, längeres Haar steht vor mir. Nicht nur durch die entsprechenden Schlagzeilen selbst, auch durch ihr Auftreten war mir diese Dame bisher nicht sonderlich sympathisch. Auch im wahren Leben trifft dies zu, jetzt da sie mir mit ernster Miene und einer gewissen Arroganz gegenübersteht. Erika Steinbach, ihres Zeichens Vorsitzende des Vertriebenenbundes.
Nebst dieser kurzen Personalie gibt es über diese Reise nichts wirklich Spektakuläres zu berichten. Berlin ist nass und kalt, wie sollte es auch anders sein zu dieser Jahreszeit?
Am Abend zeige ich noch meiner Kollegin in einem kleinen Rundgang die Friedrichsstraße, den Pariser Platz samt Brandenburger Tor und Adlon, den Reichstag. Es regnet unaufhörlich, so dass ich am Ende mit nasser Hose, durchtränkten Schuhen und einer Sechserpackung Dunkin' Donuts mich zu meiner Verabredung mit einem Freund treffen werde. In den meisten Fällen nutze ich die Gelegenheit privates mit beruflichem zu verbinden, so dass es sich denn ergibt. Gerade in Berlin gelingt mir das zumeist, so dass ich zudem eine private Übernachtungsgelegenheit einem anonymen Hotelzimmer vorziehen kann.
Zum Abschluss des Tages genehmigen mein heutiger Heerbergsvater und ich uns ein leckeres Abendessen in einem kleinen und hervorragenden Restaurant in Prenzlauer Berg. Wo gibt es heute noch ein delikates Kalbsschnitzel samt Rosmarinkartöffelchen für 10,50 EUR? Wir haben es nicht weit, jedoch muss ich vorher noch meine Habseeligkeiten aus dem Mietwagen holen. Just biegen zwei Berliner Stadtbeamtinnen gegen elf ums Eck. Ich habe keinen Parkschein gelöst. Alles lässt sich regeln, so lassen sich die beiden Damen überzeugen doch erst in der anderen Richtung zu kontrollieren, Gelegenheit für mich einen Parkschein zu erwerben.
Auch wenn Tegel vielleicht nicht der angenehmste Flughafen ist, so kann sich die Senator-Lounge dort sehen lassen. Immer wieder gerne halte ich mich hier vor dem Abflug auf, genieße die Geräumigkeit und das Angebot. Der große braun-brünette Harrschopf gehört einer kleinen Dame, sicherlich auch Oma diverser Enkel, hauptberuflich jedoch Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch. Im Gegensatz zu meiner gestrigen Begegnung ist mir diese Dame auf Anhieb sympathisch, einer netten Oma gleichend eben. Im ihrem Schlepptau befinden sich einige junge Männern, nicht lange dauert es, da wird sie bereits abgeholt. Schade, mit ihr hätte ich doch tatsächlich gerne einmal kurz unterhalten.
Die erste Reise des Jahres ist zu Ende, ein Kurztrip, dem viele weitere Reisen folgen werden. Ich freue mich auf ein interessantes Jahr 2011, auf diverse Abenteuer, auf die Herausforderungen die auf mich warten, am meisten wohl auf das jeweilige Heimkommen und zu Hause sein. Ich werde von mir hören lassen!
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blogverzeichnis Blog Top Liste - by TopBlogs.de