Montag, 16. April 2012

Meeresrauschen und Sightseeing

Flughafen Thiruvananthapura, es ist Montag der 16.04.2012, 11:30 Uhr. Eine Maschine der JetAirways bringt mich innert gut zwei Stunden nach Chennai. Einen potentiellen Software-Servicedienstleister besuchen wir heute Morgen noch vor unserem Abflug. Lediglich eine Stunde bringen wir dafür auf, wir wollen uns einen schnellen Überblick verschaffen und sind unter Zeitdruck. 27 Stunden zuvor.
Die Sonne lacht das Meer schimmert grünlich, Palmen biegen sich sanft mit dem Wind, ich habe eben Licht in mein Zimmer gelassen. Ich hätte durchaus noch ein paar Stunden im Bett verbringen und so ein wenig des Schlafdefizits aufholen können. Carpe diem, das Wochenende hat nur noch einen Tag und den möchte ich nutzen!
Zum hauseigenen Strand sind es nur wenige Meter, die ich per pedes zurücklege, ehe ich mit leichtem Anlauf ins lauwarme Nass des indischen Ozeans hüpfe. Es gleicht einer Wohltat, sich vom Wasser tragen und treiben zu lassen, keine Termine heute, niemand der mich irgendwo hinschleppen möchte. Fast! Rahul hat ein kleines Programm für heute Mittag ausgearbeitet. Trotz mehrfacher Bitte doch einen Ausflug in die Backwaters zu unternehmen, um dort die Flora und Fauna Kerala’s genießen zu können, schleppt er mich zu Tempeln und Museen. In gut vier Stunden besuchen wir dank gebuchtem Fahrer einen Tempel, einen Palast und ein Museum. Zwei weitere Tempel fahren wir an, dort gibt es jedoch außer Müll nichts zu entdecken, befinden diese sich hinter Mauern, die mir als Nichtgläubigen den Zutritt verwehren. Tatsächlich bin ich etwas enttäuscht von diesem Ausflugsprogramm, wobei sich Rahul große Mühe gegeben hat mir einen angenehmen Nachmittag zu gestalten. Auf dem Rückweg zum Hotel wollen wir uns noch einer ayurvedischen Massage unterziehen, für die diese Region berühmt zu sein scheint. Die Lokation erweist sich allerdings als nicht sehr einladend, zudem gibt es nur einen Masseur, der andere hat heute frei.  Statt eine Stunde auf Rahul zu warten beschließe ich ins Hotel zurückzukehren und mich der Entspannung in Form von einem weiteren Strand- und Badebesuch hinzugeben. Die Massage war wohl laut Rahul tatsächlich ganz in Ordnung, jedoch wie vermutet hielt die Lokation was sie rein äußerlich betrachtet versprach. Vor dem Spaß steht bekanntlich der Ernst, welcher an diesem späten Nachmittag in einem Besuch des hoteleigenen Fitnessraums besteht. Das schwül-heiße Wetter macht es mir nicht einfach, sonderlich lange das Laufband zu traktieren, der Ausblick auf den freien Ozean erleichtert dies. Wie erwähnt gehe ich danach baden, um hinterher frisch geduscht mit Rahul ins Vivanta by Taj zu fahren, um dort zu dinieren.
Das Vivanta by Taj gehört zur Taj Hotelgruppe, welche wiederum zu Tata (u.a. Hersteller von Automobilen), einem der größten indischen Unternehmen angegliedert ist. Dort angekommen schauen wir uns kurz im Hotel um, dies könnte für das nächste Mal meine Wochenenddestination werden. Die Fahrt im E-Cart (auch bekannt als Golf-Wägelchen) zum Seafood-Restaurant könnte romantischer nicht sein, führt sie im Dunkeln auf einem geschlängelten Weg vorbei an einem Backwater, durch sanftes Licht und hunderte Leuchten illuminierte Palmen und dem immerwährend rauschendem indischen  Ozean. Was würde ich dafür geben diesen Augenblick mit meinem Mann genießen zu können. Sei es wie es ist, wir schlemmen heute Abend in einem offenen, großzügig und traditionell-modern eingerichteten Pavillon. Vorzüglicher Red-Snapper, sowie weitere fein, wenn auch etwas schärfer gewürzte Fischvariationen stillen meinen Hunger. Umrundet wird das Ganze von einem Glas indischen Sauvignon-Blanc, welcher fruchtig mit Noten von Holunderbeeren, sowie etwas (zu) holzig daherkommt. Der Abend nimmt seinen Lauf, ich sinke sanft in den Schlaf und erlebe eine grauenvolle Nacht voller Albträume und schweißtreibendem, mehrfachen Aufwachen. Ob das an meiner etwas missfallenden Beachtung der in schlechtem Zustand ausgestellten Exponate von indischen Gottheiten gelegen hat?
Ein morgentliches, für die kommenden Tage letztes Bad im indischen Ozean eröffnet die neue Arbeitswoche. Nach einem Lieferantenbesuch sitze ich nun in der Maschine nach Chennai und fasse die letzten Tage geschäftlicher Natur in diversen Berichten zusammen.


 Natürlich genießt auch Rudi Reise dieses wundervolle Wetter und die Umgebung





Sonntag, 15. April 2012

Gods own country

Eine ganze Woche habe ich darauf gewartet endlich wieder einmal ausschlafen zu können. Letztendlich bin ich wieder gegen 6:30 Uhr aufgewacht und konnte glücklicherweise bis halb neun weiter schlafen. Wir verlassen Kochin heute, um nach Trivandram zu fahren und uns im bereits erwähnten "The Leela Kovalam" zu entspannen und die dortigen Sehenswürdigkeiten wie bspw. die Backwaters zu erkunden.
Punkt 10:00 Uhr steht das von Rahul georderte Taxi auch schon bereit und wir treten die 238km lange Reise an. Gut viereinhalb Stunden werden seitens des Fahrers veranschlagt. Die Strecke führt mehr oder weniger entlang einer gut ausgebauten, jedoch über nahezu den gesamten Verlauf von Häusern und damit Menschen gesäumten Straße. Heute sehe ich mich schon mehrfach in „Gods own Country“ emporsteigen, ist die Fahrt doch geprägt von riskanten und haarsträubenden Überholmanövern, welche dem immerwährenden, chaotischem Verkehr geschuldet sind. Dennoch verrichtet unserer Fahrer gute Arbeit und ich bin froh, dass ich nicht selbst fahren muss, was ich selbstverständlich unter diesen Umständen niemals tun würde.
Die Strecke wurde mir, so habe ich es jedenfalls verstanden, als schön bezeichnet. Tatsächlich ist sie gesäumt von Kokosnuss-Palmen und Einblicken in die sogenannten Backwaters, jedoch auch von nie endenden Häuser- und Barracken-Ketten, sowie Müll, Müll und nochmals Müll. Nach gut zwei Stunden legen wir einen Zwischenstopp an einem Strand ein. Ich sehe zum ersten Mal den indischen Ozean, seit ich in diesem Land angekommen bin. Leider ist auch dieser Landstrich nicht sonderlich einladend, ob des umherliegenden Abfalls und so entscheiden wir uns lediglich eine Rast in einem strandnahen Resort zu halten. Noch zweieinhalb Stunden sollen es lt. der ursprünglichen Rechnung sein, der Fahrer murmelt jedoch etwas von vier Stunden. Dies kann natürlich auch seinen nur sehr wenig ausgeprägten englischen Sprachkenntnissen geschuldet sein. Eine Trinkkokusnuss und weitere zwei Stunden später scheinen wir noch weit entfernt von unserem Ziel zu sein. So zieht es sich und zieht es sich, eine weitere Stunde vergeht und wir sehen ein Entfernungsschild, welches 50km anzeigt. Keinen Kilometer später erneut ein Schild, jetzt sind es plötzlich 53km, ich sehe uns schon gegen Mitternacht ankommen.
Am Ziel! Wir sind tatsächlich noch vor 18:00 Uhr eingetroffen, genauer gesagt gegen dreiviertel Fünf, also nach knapp sieben Stunden Fahrtzeit für 238km! An der Einfahrt heißt uns ein besonderer Wärter willkommen, ein Elefant, welcher in eine der Grünflächen seine Mahlzeit zu sich nimmt. Nur einige Meter weiter scheint eine Hochzeitszeremonie stattgefunden zu haben, wie man sie aus Hollywood-Filmen kennt. Ein mit Tüchern geschmückter, offener Pavillon, von welchem man von drei Seiten aus auf den scheinbar endlosen Ozean blickt – ein traumhafter Ort, um sich füreinander zu versprechen.
Noch bevor ich die Hotellobby betrete wird mir eine Kette aus Muscheln umgehängt, sowie ein roter Punkt auf meine Stirn gemalt. Ich nehme einmal an, dass es sich hierbei nicht um die All-Inclusive-Erkennungskennzeichnung handelt.
Die Hotellobby ist weit in die Höhe geöffnet, und strahlt trotz des dominierenden Holzfachwerks indischer Natur, eine Lockerheit und Gastfreundlichkeit aus. Der Check-In-Vorgang zieht sich leider enorm in die Länge, ich werde ungeduldig, möchte ich doch, da die Sonne so nahe am Äquator früher unter geht, alles noch bei Tageslicht alles erkunden. Der Blick aus meinem Zimmer schweift über Palmen hinaus auf eine lang gezogene Strandbucht und blau getränktes Wasser. Das Zimmer selbst ist etwas in die Jahre gekommen. Dennoch könnte ich es hier länger als zwei Nächte aushalten. Zunächst erfrische ich mich jedoch im Pool, welcher einen traumhaften Blick auf den nicht endend wollenden Ozean bietet und in selbigen überzugehen scheint. Hätte Gott frei, so würde er sich sicher hier ein paar Tage verwöhnen lassen wollen.
Eigentlich wollen Rahul und ich in eines der Strand-Restaurants, jedoch bleibt unsere Suche vergeblich. Wir scheinen irgendwo falsch abgebogen zu sein. Aufgrund unserer knurrenden Mägen finden wir uns nur kurze Zeit später im The Leela-Strandrestaurant „Tides“ wieder, das in kleinen Pavillons zum Verweilen einlädt. Der Privatstrand bleibt heute Abend größtenteils Gästen von Hewlett-Packard vorbehalten, die ihre im Hotel stattgefundene Konferenz hier ausklingen lassen. Gut für uns wie sich später herausstellt. Kurz nachdem unsere Wahl auf das Dim-Sum-All-You-Can-Eat-and-Drink-Angebot gefallen ist, beginnt ein für uns kostenfreies Rahmenprogramm, welches aus traditionellen indischen Tänzen und Kampfsporteinlagen besteht.
Ein langer Tag neigt sich Ende zu. Ich skype noch kurz mit meinem mir Angetrauten und lege mich gegen Mitternacht schlafen. Morgen steht baden im indischen Ozean, sowie eine Sightseeing-Tour mit noch unbekanntem Ziel auf dem Programm.
Auf dem Weg nach Kovalam - Backwaters

Auf dem Weg nach Kovalam

 Blick aus Hotelzimmer

 Blick aus Hotelzimmer

  Hotelblick auf indischen Ozean

   Hotelblick auf indischen Ozean

  Hotellobby

 Pool und Ozean
 Pool und Ozean

Samstag, 14. April 2012

Wiedersehen und Kochin

Wir schreiben bereits den vierten Tag meines Aufenthaltes in Indien und ich muss gestehen, dass dieses Land einen gewissen Reiz auf mich ausstrahlt. Bereits während meines halbjährigen Studienaufenthaltes Ende des letzten Jahrhunderts in China habe ich eine ähnliche Anziehung trotz der enormen Unterschiede verspürt. Indien ist in gewisser Weise mit dem Zentralchina vor 13 Jahren vergleichbar, wenn auch noch etwas verschärfter. Die hygienischen Umstände, der Lärm, das unglaubliche Verkehrschaos beindrucken auf eine besondere Art.
Das heute von mir besuchte Unternehmen unterhält mehrere Standorte in Indien, von welchen ich nahezu alle in den kommenden Tagen sehen und bewerten werde. Heute stehen Fertigungsstätten für Systembaugruppen (z.B. komplette Ultraschallgeräte für den Bereich Medizin), sowie Kunststoffspritzguss und Blechbearbeitung auf dem Programm. Obwohl ich keinerlei Verantwortung für die beiden zuletzt genannten Bereiche habe, will ich mir einen Eindruck verschaffen, welchen ich nach meiner Rückkunft in Deutschland mit meinen Kollegen teilen kann. Zudem tut es gut mal wieder eine durch Metallbearbeitung geschwängerte Luft zu schnuppern, im Vergleich zu den meist sterilen Umgebungen einer Elektronikfertigung.
Wie jeden Morgen holt mich Rahul im angemieteten Taxi ab und wir schippern zur Fabrik, welche die Montage von diversen Produkten vornimmt. Auf dem Weg dorthin ein immer währendes gleiches Bild von chaotischen Verkehrsfluss, Smog und Gestank, welcher u.a. durch Müll und die erwähnte Luftverschmutzung verursacht wird.  So langsam kommt mir auch die Erkenntnis, weshalb die Inder alle immer mit dem Kopf wackeln. Es muss an den Straßenverhältnissen liegen, da man durch den stetigen Stopp-and-Go-Verkehr und die zahlreichen Schlaglöcher kontinuierlich durchgeschüttelt wird und dies wohl zu bleibenden „Kopfwackelschäden“ führt .
Es ist heiß, gut 36 Grad misst das Thermometer. Nach einem einstündigen Rundgang setzen wir unsere Tour in der Blechbearbeitungsfabrik, welche u.a. mechanische Baugruppen, sowie Gehäuse, etc. herstellt, fort. Nach gut drei Stunden ist der Spuk für heute vorbei, gegen 13:00 Uhr begeben wir uns schon wir auf den Rückweg zum Hotel. Heute wartet nachmittags noch eine Menge Arbeit auf mich, welche sich in den vergangenen Tagen angestaut hat. Am meisten freue ich mich auf heute Abend. Mein Mann kommt mich in meinem Hotel besuchen und wir werden zusammen mit unserem indischen Bekannten, den wir beim Flug nach Indien wiedergetroffen haben, speisen. Ein paar Stunden später ist es auch schon wieder soweit und ich halte meinen Schatz in den Armen. Es tut gut, für ein paar Stunden Deutsch zu sprechen und bekannte Gesichter zu sehen. Aufgrund der unter Umständen langen Fahrtdauer in die Stadt entscheiden wir uns in meinem Hotel zu bleiben und dort ein Abendessen einzunehmen. Einige Stunden später heißt es schon wieder Abschied nehmen. Meinen Mann werde ich erst wieder in einer Woche in Goa treffen, um mit ihm einige Tage zu entspannen.
Es ist Freitag. Kurz vor dem Wochenende heißt es für mich zu packen, da es heute nach Kochin in der Region Kerala geht. Gods own country, Gottes Heimat wird dieser Landstich ehrfurchtsvoll und liebevoll genannt. Einen kleinen Eindruck dessen, was Gods own country ausmacht, kann ich mir auf dem Flug nach Kochin, welcher knapp eine Stunde dauert, machen . Mit einer Turboprop-Maschine geht es von Bangalore in diese von traumhaften Landschaften geprägte Provinz. Ich freue mich schon sehr auf das anstehende Wochenende, welches wir in Tvirandram im „Leela Kovalam Beach Kerala“ verbringen werden. Laut mehrfachen Ausssagen diverser Leute scheint es sich dabei um eine der nobelsten Hotelketten schlechthin in Indien zu handeln, welche durch traumhafte anmutende Bilder untermauert werden. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen.
Doch vor dem Vergnügen kommt bekanntlich die Arbeit, welche heute im Besuch von vier Fabriken des bereits gestern besuchten Lieferanten besteht. Nach einem gut eineinhalb stündigen Gespräch folgt eine knapp vier Stunden währende Fabriktour, in welcher ich mir einen guten Überblick über die Stärken und Schwächen verschaffen kann. Hier schlägt die Hitze noch etwas heftiger zu, da die relative Luftfeuchtigkeit deutlich höher ist als in Bangalore. Gegen 18:45 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Hotel. Es wundert mich kaum, dass wir auch hier in Kochin gut vierzig Minuten für eine mehr oder weniger kurze Strecke benötigen. Grund dafür ist ein Feiertag, welcher morgen in dieser Region zelebriert wird und dazu führt, dass alle Leute sich früher als sonst auf den Heimweg machen bzw. noch Besorgungen zu erledigen haben. Nett anzusehen sind allerorten die bunt gestalteten LKW’s und andere Fahrzeuge, zudem scheint es in Kochin keinen Bedarf an Glasscheiben in Bussen zu geben, was selbst Rahul verwundert.
Das Hotel stellt sich als eher einfache, wenn auch saubere Unterkunft heraus. Voller Erstaunen werde ich von dem Check-In Mitarbeiter auf Deutsch angesprochen. Nach einer kurzen Unterhaltung stellt es sich heraus, dass er eine eineinhalb-jährige Ausbildung in der Schweiz durchlaufen hat.
Den Abend lassen Rahul und ich in Kochin’s bekanntestem Sea-Food Restaurant „The Grand“ im gleichnamigen Hotel ausklingen, zu welchem wir in einer haarstreubenden Fahrt in einer Auto-Rikscha gelangen. Geröstete, scharfe Shrimps, Kingfish in verschiedenen Varianten, jeweils vom Bananenblatt serviert, sowie leckeres indisches Brot lassen kulinarisch keine Wünsche offen. Wenn die Inder etwas können, dann mit Gewürzen ein Essen adeln. Es ist 23:00 Uhr, das Wochenende steht vor der Tür – ich freu mich riesig darauf!

 Lecker Kokusnuss

 Mein Hotel in Bangalore


Donnerstag, 12. April 2012

Neu-Dehli

Es ist 20:34 Uhr, im Moment des Schreibens dieses Tagesrückblicks meiner Erlebnisse, befinde ich mich in gut 10.000 Meter über Indien auf dem Weg von Neu-Dehli zurück nach Bangalore.
Der Tag fängt früh an für mich. Um 5:30 Uhr morgens werde ich unsanft durch den automatischen Weckruf aufgeschreckt. Noch ein wenig zerknautscht mache ich mich auf zur Morgentoilette, ehe ich mich langsamen Schrittes und im Besitz meiner für diesen Tag notwendigen Utensilien auf den Weg in die Hotel-Lobby mache. Das Hotel in welchem ich derzeit logiere befindet sich in einem majestätisch anmutenden, viktorianischen Bau und versprüht einen Hauch von altmodischem und dennoch bemerkenswertem Luxus. Alles erinnert an längst vergangene Zeiten, in welchen während der britischen Kolonialzeit sich die oberen Zehntausend um fünf zur Tea-Time einfanden, um über die Geschehnisse der Zeit zu lamentieren.
In der Lobby angekommen entschließe ich mich noch kurz im Frühstückssalon vorbeizuschauen, vielleicht gibt es schon einen kleinen Happen, obwohl das Büffet noch nicht eröffnet ist. Zu meinem Glück ist alles schon vorbereitet und so mache ich mich auf den Weg zum Hotelausgang gestärkt durch zwei feine Donuts. Auch mein indischer Kollege – sagen wir Rahul zu ihm – schaut noch etwas geplättet aus dem Taxi, ob der frühen Stunde. Glücklicherweise ist Bangalore noch nicht voll erwacht und somit erreichen wir den Flughafen nach knapp 45 Minuten. Dort angekommen gewähren uns die strengen Sicherheitsbeamten nur Einlass in das Flughafengebäude, sofern wir unser Ticket vorweisen können, welches wir glücklicherweise an einem separaten Schalter zuvor erhalten haben.
Mittelsitz! Für einen Vielreisenden gibt es ein paar Kleinigkeiten, welche von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind. Dazu gehört u.a. die Vermeidung von Mittelsitzen, welchen ich, aufgrund des späten Check-ins und der ausgebuchten Maschine von Jet-Airways zugewiesen bekommen habe. Warum? Erstens, weil ein Gangplatz die Möglichkeit bietet, seine Beine von sich zu strecken. Ein Fensterplatz bietet nebst der Aussicht zudem den Komfort einer Wandverkleidung, an welche man sich bei Bedarf anlehnen kann. Natürlich bieten auch die beiden Nebensitzer, zur Linken und zur Rechten die Möglichkeit sich anzulehnen, was aus verständlichen Gründen nicht immer gut ankommt. Der wichtigste Grund zur Vermeidung eines Mittelplatzes ist der Einquetschfaktor. Sitzt man auf einem der mittigen Sitze, so kommt zumeist zuerst ein sagen wir stämmiger Passagier und setzt sich neben einen auf den Gangplatz. Sobald beide sitzen, ist es Zeit für das Erscheinen des gut genährten Genossen, welcher sich auf den Fensterplatz drückt. Nebst möglichen Ausdünstungen steht vor allem der Kampf um wenigstens eine Armlehne im Vordergrund, welche im Falle eines Außensitzes immer zur Verfügung steht.
So versuche ich also am Gate noch einen Fenster- oder Gangplatz zu ergattern. Mit temporärem Erfolg, wie sich später herausstellen sollte. Der freundliche Mitarbeiter am Gate weist mir, handschriftlich auf der Bordkarte vermerkt, den Gangplatz 5D zu, auf welchem ich mich niederlasse. Kurz vor Ende des Boardings kommt es wie es kommen musste. Es gibt einen Passagier, dessen Dokument ebenfalls 5D aufweist. Dann halt ans Fenster.  Keine 30 Sekunden später tauchen zwei weitere Reisende auf, welche mich letztendlich von meinem Platz vertreiben und so lande ich auf 17E, meinem Mittelplatz. Wie auch immer, auf diesem 2 ½-stündigen Flug habe ich Glück und meine Mitflieger erweisen sich als veritable Außenplatzkollegen.
Auf der Fahrt ins Flughafenterminal fällt mein Blick auf eine Maschine der Bundesrepublik Deutschland, welche auf dem Vorfeld geparkt ist. Ein Staatsbesuch wie es scheint.
Das Wetter in Dehli ist angenehm kühl für den Sommer. Es hat geregnet und somit sind die Temperaturen mit 26 Grad Celsius sehr angenehm. Die Fahrt im kleinen, etwas schmutzigen Tata-Taxi zum Lieferanten führt durch Nord-Dehli, die Straßen sind besser ausgebaut als in Bangalore, bis ins Industriegebiet jedenfalls. Ab da heißt es festhalten. Zum einen aufgrund des chaotischen Verkehrs, zum anderen aufgrund der enorm schlechten Verkerhswege. Es grenzt an ein Wunder, dass wir noch niemanden umgefahren haben, drücken sich durch noch die kleinsten Lücken Rikschas und Mopeds.  Am Ziel selbst sticht mir ein beißender Gestank in die Nase, es riecht nach Müll aller Art. Auch das ist Indien! Jede Fahrt in Indien scheint mindestens 1h zu dauern.
Das Unternehmen das wir heute besuchen gehört zu einem größeren indischen Konzern, welcher u.a. Kabelkonfektionen für die Automobilindustrie fertigt. Einer Vorstellungs- und Präsentationsrunde folgt ein ausgiebiger Produktionsrundgang, um zu evaluieren, ob dieser Lieferant potentiell auch an unser Unternehmen liefern könnte. Der Eindruck ist größtenteils positiv, lediglich die hohen Volumina bereiten mir Bedenken. In den Produktionshallen selbst ist es stickig und drückend warm, dennoch folge ich selbstverständlich meinem Plan und diskutiere meine Fragen und Anmerkungen zu den entsprechenden Stationen.
Vier Stunden später befinden wir uns auf dem Rückweg zum Flughafen. Wieder ein Mittelsitz, den ich jedoch nach Abklappern diverser Stationen doch noch in einen Gangplatz in der vorletzten Reihe umwandeln kann. Der Flug hat gut 30 Minuten Verspätung, während welcher ich von meinem Angetrauten informiert werde, dass es in Indonesien ein Erdbeben der Stärke 8,9 gegeben hat, welches sich wohl bis nach Bangalore erstreckt hat. Es scheint jedoch keine weiteren Auswirkungen auf meine weiteren Reisepläne zu haben. Zurück im Hotel, arbeite ich noch ein wenig den Tag auf, beantworte diverse Emails und telefoniere per Webcam mit meinem Mann, bevor ich mich gegen 0:00 Uhr schlafen lege. Ein langer Tag geht zu Ende.










Dienstag, 10. April 2012

Verkehrschaos in Bangalore

Meine Nacht war äußerst kurz, von Schlaf kann nur wenig die Rede sein.  Nicht, dass ich gestört wurde oder das Bett unbequem wäre. Lediglich die Übermüdung raubte mir die Sanftmut, in einen ruhigen Schlaf zu sinken. Gegen 3:00 Uhr muss ich wohl in den Schlaf gesunken sein, zwischendurch scheint es mir, als sei ich desöfteren aufgewacht.
Mein indischer Kollege ist nachsichtig mit mir und lässt mir heute etwas Zeit, mich ein weinig zu akklimatisieren, weshalb wir erst gegen 10:00 Uhr zum ersten Lieferantenbesuch, zu einem Hersteller von elektromagnetischen Komponenten, aufbrechen. Es hat bereits um die 32 Grad Celsius. Die Fahrt ist abenteuerlich, eine Straßenverkehrsordnung existiert - wenn überhaupt , sicherlich nur auf dem Papier. Und das ist bekanntlich geduldig. So schlängelt sich unser Taxifahrer mal links, mal rechts, stets mit flach auf der Hupe aufgelegter Hand durch den Verkehrsdschungel. Nun offenbart sich, was mir bereits vielfach geschildert wurde. Der Verkehr in Bangalore ist eine einzige Katastrophe. Meist Zweiräder und Rikschas beherrschen das Straßenbild. Mit viel Huperei, Gedrängel und geduldiger Eile drängeln sich tausende Menschen durch die holprigen Straßen dieses 9-Millionen-Seelen-Molochs. Trotz der allgegenwärtigen Fahrlässigkeit scheint kaum etwas zu passieren, kaum auszudenken, wenn die vierköpfige Familie, die sich auf einem kleinen Motorrad neben unserem Taxi durch das Gedrängel schiebt, das Gleichgewicht verliert und im wahrsten Sinne des Wortes unter die Räder gerät. Hier zwei zehnjährige Jungs  auf einem Moped, dort ein barfüßiger Rikschafahrer, dann wiederum ein kleiner Dreirad-LKW, auf welchem sich in gebückter Haltung junge Arbeiter einquetschen, um an ihren Bestimmungsort zu gelangen. Ein buntes Treiben, welches mir ein Schmunzeln in Gesicht zaubert und welches ich gespannt verfolge.
Gut 75 Minuten und knapp zehn Kilometer später kommen wir bei unseren ersten Gesprächspartnern an. Viel Zeit haben wir nicht, in zwei Stunden muss alles über die Bühne sein. Wir wollen noch eine der größten Softwarefirmen Indiens besuchen. Dennoch nehme ich mir die Zeit, um mich zunächst in der Theorie  und darauf folgend, während eines Produktionsrundganges von den Fähigkeiten zu überzeugen. Keine Frage bleibt unbeantwortet. Ich zeige mich beeindruckt von den Möglichkeiten und dem Know-How, welches dieses kleinere Unternehmen bietet und ziehe erwartungsvoll  gestimmt ein positives Resümee.
Nur 15 Minuten später befinde ich mich bereits auf dem Campus von Wipro, besagter Software-Schmiede, welche keine Eigenprodukte und somit ausschließlich Software-Dienstleistungen anbietet. Auf einem riesigen Areal, bebaut mit unzähligen Gebäuden und eingerahmt durch Grünflächen mit Bachläufen und Brunnen, tummeln sich Ingenieure und Softwarekonstrukteure. 
Für diesen Tag soll es genug gewesen sein mit den Besuchen. Ganz unglücklich bin ich darüber nicht, bin ich erstens doch noch recht müde und zweitens habe ich einen Berg an Arbeit, der auf mich wartet. Zurück im Hotel sitze ich bereits vor meinem Laptop und versuche wenigstens einen Teil meiner Emails abzuarbeiten und den Tag zusammenzufassen. Gegen sieben Uhr geht’s in den Fitnessraum, danach verleibe ich mir noch ein köstliches, südindisches Mahl auf meinem Zimmer ein – ein scharfer Genuss! Es ist spät geworden. Morgen wartet der zweite Tag in Indien auf mich. Sehr früh, gegen 6 Uhr morgens geht es innerhalb 2 ½ Stunden Flug nach Neu –Dehli. Am selben Abend noch werde ich schon wieder zurück in Bangalore sein. 










Auf zu neuen Ufern


Es ist soweit, Indien steht vor der Tür – und das an Ostern. In den vergangenen vier Wochen war ich lediglich auf zwei kurzen Dienstreisen, welche mich in die bayerische Landesmetropole München führten. Kein Flug, kein nix. Wobei ich darüber durchaus entzückt war, waren die Wochen im Februar geprägt von Reisen nach Ungarn, sowie über den Teich in die USA. Wenn ich auch dazu noch nicht gebloggt habe, aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Der Reihe nach.

Es ist Ostersonntag, es heißt Koffer packen. Klimatechnisch ist dies ein Leichtes, herrscht im Subkontinent doch derzeit ein warmer, bzw. heißer Sommer. Das Schönste an dieser Reise allerdings ist, dass ich nicht alleine gen ehemaliger Kronkolonie fliegen werde. Mein Gatte hat ebenfalls dort zu tun, was liegt da näher, als das Notwendige mit dem Angenehmen zu vereinen. Ich selbst werde kreuz und quer durch Indien tingeln, um potentielle und bestehende Lieferanten zu besuchen und einzustufen. Meine bessere Hälfte hingegen wird sich für 10 Tage in Bangalore aufhalten, bevor wir uns beide in Goa für einen sechstägigen, gemeinsamen Urlaub einfinden werden.
Die Nacht ist kurz, äußerst kurz sogar. Schlaf habe ich kaum gefunden, irgendwie spürte ich doch etwas Aufregung vor diesem Trip. Um fünf Uhr morgens geht es los, nahezu keine Menschenseele ist auf der Straße zu sehen, kein Wunder, es ist Ostermontag. Der Mietwagen ist schnell abgegeben und schon sitze ich, nach einem unkompliziertem Check-In in der Lounge, um auf meinen Flug nach Brüssel zu warten. Nun liegt Brüssel bekanntlich nicht in Indien. Wieder einmal sind es die Kosten, die mich zwingen einen kleinen Umweg in Kauf zu nehmen. Das Routing lautet für heute Frankfurt – Brüssel – Frankfurt – Bangalore. Insgesamt werde ich fünf Stunden zusätzlich unterwegs sein, gleichzeitig spare ich jedoch 1.500 EUR im Vergleich zum Direkteinstieg in Frankfurt (wohlgemerkt, ich nehme denselben Flug ab Frankfurt nach Bangalore).
Das Gepäck bleibt bis zum Flug nach Indien in Frankfurt – somit ist die Gefahr gebannt, dass es auf dem Umweg nach Belgien aufgrund des kurzen Aufenthaltes verloren geht.
Der Flug nach Brüssel dauert gerade einmal 45 Minuten, die Maschine ist in etwa zu 25% ausgebucht. Somit reist es sich angenehm ruhig und unspektakulär. Kaum in Brüssel gelandet, hole ich mir meinen Bordingpass zurück nach Frankfurt. Seltsamerweise bietet die Lufthansa zwei Flüge innerhalb von 40 Minuten ans größte deutsche Luftverkehrs-Drehkreuz an. Gut für mich, denn ich kann aufgrund des Business-Class-Tickets auf die frühere Maschine umbuchen. Wie schon häufiger erlebt, werde ich beim Einstieg ins Flugzeug mit einem „Haben wir uns nicht gerade schon einmal gesehen?“ von den Flugbegleiterinnen begrüßt. Auch der Rückflug ist kaum ausgelastet und so lande ich 100 Minuten nach meinem Abflug aus Frankfurt schon wieder in selbiger Stadt.
Gegen 10:30 Uhr hole ich meinen Ehemann am Eingang zur Senator-Lounge ab und wir genießen noch die gemeinsame Zeit am Boden mit frisch gemixten Cocktails und ein paar Happen zu Essen. Der Einsteig in die 747 nach Bangalore wäre an und für sich kaum erwähnenswert, hätten wir nicht einen alten Bekannten getroffen, den wir schon seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Wie es der Zufall will, ist auch er dienstlich auf dem Weg nach Indien! 
26H und 26K, zwei Reihen vor der Economy-Klasse nehmen wir Platz. Zu unserer Linken ist kaum ein Sitz besetzt. Es liegt wohl am Ostermontag, dass die Flüge kaum ausgelastet sind, die die Business und Eco sind nur schwach besetzt - gut für uns. Eigentlich sollten wir uns um 12:15 Uhr auf den Weg machen. Eigentlich! Ein defekter Reifen kostet uns jedoch eine knappe Stunde, welche auch während des Fluges kaum mehr aufgeholt werden wird.
Acht Stunden, 10 Minuten, zwei indische Speisen, zwei Spielfilme und drei Stunden Schlaf später landen wir sanft in Bangalore. Hier trennen sich vorerst die Wege von mir und meinem Ehemann, ich holpere innerhalb 50 Minuten in das ITC Windsor Hotel in der Stadt, mein Gatte bezieht eine Unterkunft in der IT bzw. Electronics-City. Gute Nacht!

Freitag, 27. Januar 2012

Wolkenlos



Das ging flott. Der Jetlag scheint überwunden, ich bin akklimatisiert! Die kommenden zwei Tage werde ich mich in einem Meeting-Raum wiederfinden und diverse, dieses Jahr betreffende Themen zusammen mit meinen zwei Kollegen analysieren und besprechen. Wir starten an beiden Tagen morgens um 7:00 Uhr mit einem Frühstück bei Dennys. Wie auch schon die Tage zuvor zeigt sich der Himmel wolkenfrei, die Sonne und der blaue Himmel tun gut, bei all dem Grau zu Hause. Am ersten Morgen gönne ich mir einen Creamy Banana Frenchtoast, Rührei und Speck, am zweiten erneut einen French Toast, sowie Rührei, Speck und Würstchen.
Unterbrochen von schnellen Mittagessen setzen wir unsere Besprechungen bis 17:00 Uhr fort, bevor wir die Tage mit einem Abendessen beenden. Alles sehr unspektakulär. Dennoch finde ich Gefallen an Phoenix, ist das Wetter doch immer recht sonnig, die Temperaturen angenehm. Wie gerne würde ich ein paart Runden Golf spielen, mit einem meiner Kollegen hätte ich bereits einen guten Flightpartner. Ich denke im Mai, wenn ich erneut in den Staaten sein werden (dazwischen im Februar in Charlotte und Chicago), nehme ich meine Golfschläger mit und verbringe ein paar Tage in der Heimatstadt meines Kollegen, so dass wir einige gemeinsame Runden drehen können.
Kaum versehe ich mich, ist es schon Freitag, der Tag der Rückreise nach Deutschland. Wie sollte es auch anders sein hat mein Flug Verspätung, ich hoffe, das geht alles gut. Vier Stunden Aufenthalt habe ich in Los Angeles, das sollte ausreichen. Am Flughafen lerne ich Shaun kennen. Er hat, wie Rudi vor wenigen Tagen, heute seinen ersten Flug. Shaun ist drei Jahre alt, ein blonder Bursche der mit seinem leeren Buggy, in welchem er normalerweise sitzt, durch die Reihen wartender Passagiere wirbelt. Schnell zieht er alle in seinen Bann, einschließlich der Crew, die auf das Flugzeug wartet. Auch im Flieger unterhält er die umliegenden Fluggäste mit seinen charmanten Kommentaren zu seinem Erstflug. Zum Glück habe ich auf Economy Plus upgegradet, da ich mein Gepäckstück unter dem Vordersitz verstauen mag und der Sitzabstand hier etwas größer ist.
Gut 3 Stunden Aufenthalt habe ich in Los Angeles, welche ich, nach einem längeren Fußmarsch zum Lufthansa-Terminal und dem Check-In, in der Star Alliance-Lounge verbringen werde. Die LH 457 bringt mich nach Frankfurt!
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