Samstag, 21. April 2012

Der Privatspaß beginnt

Viele Sehenswürdigkeiten hat Colombo nicht zu bieten. Das konnte ich Wikipedia-Travel entnehmen und so entschließe ich mich heute Vormittag der Arbeit und nachmittags dem Shopping zu widmen. Die Arbeit geht gut von der Hand, nur das mit dem Einkaufsbummel gelingt mir nicht. Nicht, dass ich nicht großes Interesse hätte ein paar Schnäppchen einzufahren, nur gehen Colombo neben den touristischen Highlights auch die Einkaufsgelegenheiten ab. Die Sonne brennt, keinerlei Wind ist zu spüren. So rinnt mir das Wasser gelinde gesagt in kleinen Bächen von der Stirn, obwohl ich eigentlich nicht sonderlich zum Schwitzen neige. Kurz vor Rückkehr ins Hotel treffe ich einen alten Bekannten wieder. Da Silva erkundigt sich, ob ich nochmals beim Juwelenhändler war und will mich, ob meiner Verneinung und seines Verhandlungsgeschicks, nochmals dorthin führen. Dankend lehne ich ab und sehe ihn zum vorerst zum letzten Mal.
Einer Wohltat gleich fletze ich mich nur wenige Minuten später in einem Sessel des Hotelrestaurants und schlürfe in großen Schlucken Wasser in mich hinein. Da ich auf diesem kurzen Ausflug wohl einige Kalorien verbrannt habe, meldet sich sogleich mein Magen und deutet mich dezent darauf hin, mich ans Buffet zu begeben und ordentlich Speisen auf einen Teller zu laden. Gut genährt, ausgedünstet und frisch geduscht checke ich aus. Ein Taxi bringt mich an den Flughafen. Durch enge Gassen und Wohngebiete, vorbei an heruntergekommenen und im Bau befindlichen Bauwerken fährt mich mein Chauffeur gewissenhaft an mein Ziel. Dort angekommen deutet er der Dame die an der Schranke sitzt, um auf Geheiß für selbige ein Kärtchen aus dem Automaten zu lassen, dies bitte schön zu tun, worauf alsbald der Weg zur Auffahrt an die Abflughalle frei wird.
Wenig später halte ich bereits mein Ticket in den Händen. Da mir noch etwas Zeit bleibt, kaufe ich im Duty-Free-Shop eine riesige Packung Kinderschokolade. Ich bin mir sicher, dass wir während unseres Goa-Aufenthaltes gerne darauf zurückgreifen werden. Innerhalb zweieinhalb Stunden bringt mich die Maschine nach Mumbai. Um mir die Flugzeit etwas zu verkürzen habe ich mir noch vormittags ein paar Sendungen aus der ARD-Mediathek auf mein Tablet geladen und nun ansehe. In Mumbai angekommen dauert es eine kleine Ewigkeit bis die Gepäckstücke ausgeliefert werden. Mir schwant schon, dass ich heute ohne meine Habseligkeiten ins Courtyard Marriott fahren werde. Glücklicherweise meint es der Reisegott gut mit mir und ich kann mich beim Verlassen der Ankunftshalle auf die Suche nach dem Fahrservice des Hotels begeben. Der Vorplatz gleicht der Größe eines Fußballplatzes, an welchem ringsherum allerhand (ich nehme an es sind hunderte) Menschen stehen, die mit Schildchen auf sich aufmerksam zu machen versuchen, um so ihre Fahrgäste zu identifizieren. Mein Helfer ist rasch gefunden. Die Fahrt zum Hotel dauert lediglich fünf Minuten wird mir gesagt. Im Auto werden daraus schnell 30 Minuten, ich bin es mittlerweile ja gewohnt. Selbst mitternachts ist der Verkehr erstickend und chaotisch. Wie gut, dass ich mich in ein Flughafenhotel gebucht habe, wäre ich doch sonst noch ewig unterwegs. Die Stadt, nein das ganze Land scheint zu ersticken, in Menschen und im Müll. Dies wird mir auf der kurzen Fahrt sehr deutlich, drängen sich Menschenmassen durch die Straßen vorbei an Bergen von Müll.
Den nächsten Morgen starte ich mit einem kleinen Fitnessprogramm im hauseigenen Studio, gefolgt von einem ausgiebigen Frühstück und dem erneuten Transfer an den Flughafen. Heute geht es nach Goa. Zehn Tage habe ich darauf gewartet meinen Mann wieder in meinen Armen zu halten und mit ihm entspannte Tage in dieser Region zu verbringen. Dafür haben wir uns mit meinen Rewards-Punkten in das Goa Marriott Resort und Spa eingebucht.
Vorher geht es zunächst an einen der Jet Airways Ticketschalter, an welchem mir nach Vorlage des Reisepasses mein Ticket ausgedruckt wird. An einem weiter Kabuff kann ich es abholen und damit zum Sicherheitsbeamten latschen, der mir nach Abgleich der Personalien im Pass, wie auch auf dem Flugschein in das Terminal lässt. Am Check-In ist kaum etwas los, so dass ich fluchs danach meine Bordkarte in den Händen halte, mit der ich meine Reise antreten kann. Es ist noch genügend Zeit, weshalb ich in der Halle auf und ab spaziere und an einem kleinen Verkaufsstand der sich auf Hemden spezialisiert hat, halt mache. Hemden indischer Herstellung und einer indischen Marke, über die ich noch am selben Vormittag in der Tageszeitung eine Anzeige gelesen habe, werden hier feil geboten. Fein, bin ich doch ein wenig ein Hemden-Fetischist oder harmloser gesagt, kann ich vom Hemdenkauf die Finger nicht lassen. Nach einer kurzen Anprobe auf der öffentlichen Toilette, – ein Umkleideraum stand leider nicht zur Verfügung – steht fest, dass ich drei Hemden zum Schnäppchen von knapp 80 EUR erstehen werde. Da alle Kleidungsstücke nicht über einen Button-Down-Kragen verfügen (kleine Knöpfchen am Kragen), bietet mir der Händler an, an allen die entsprechende Änderung kostenlos vorzunehmen. Am Mittwoch in einer Woche, also dem Tag unseres Rückfluges, kann ich die Hemden dann in der Dependance im internationalen Terminal, gegen Vorlage des Kaufbeleges abholen. Ein toller Service!
Der Flug dauert lediglich fünfundvierzig Minuten. Kurz vor der Landung startet meine Nebensitzerin damit sich zu schminken. Nur wenige Meter über dem Boden und damit dem Aufsetzen des Fliegers auf der Landebahn, beginnt sie mit dem Auftragen der Wimperntusche. Was wird das für ein Spass, sollte sich der kleine, in schwarze Chemikalie getunkte Pinsel in eines ihrer Augen bohren. Damit dürfte der Goa-Aufenthalt für diese Engländerin schneller beendet sein als geplant. Nur wenige Sekunden vor der Landung stellt sie ihre Malerarbeiten ein und verstaut ihre Utensilien im Handtäschchen. 34 Grad erwarten mich, genauso wie mein Gatte, der bereits sein Gepäck in seinen Händen hält und den ich, glücklich ihn wieder zu haben, umarme. Auch hier wartet bereits ein Fahrer. Wir kommen zügig voran in Richtung Norden. Einen Kokosnuss-Stopp und weitere 15 Minuten später heißt uns eine Mitarbeiterin des Resorts willkommen und hängt uns eine Muschelkette um den Hals. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt, ein Bier als Willkommensgetränk ist jetzt gerade das Richtige. Wir bekommen ein frisch renoviertes Zimmer mit Meerblick und Meeresrauschen. Es dauert nicht lange und wir plantschen im Pool, trinken einen Cocktail an der Poolbar und genehmigen uns zuvor einen Happen in der Lounge. Den Abend lassen wir mit einem Abendessen im Sea-Food-Grill-Restaurant, welches direkt an der Ozeanbucht liegt, ausklingen. Bevor jedoch der erholsame Schlaf ruft werde ich noch von meinem Angetrauten in die Regeln des Cricket-Sports eingewiesen, während wir uns ein Spiel im Fernsehen, gefolgt von einer Komödie ansehen. Wir sind im Urlaub angekommen!









Donnerstag, 19. April 2012

Nepper - Schlepper – Bauernfänger

Ich sollte einen Versuch unternehmen alle Angestellten in diesem Hotel, dem Taj Samutra in Colombo, zu zählen. Es scheinen unzählig viele Helferlein zu sein, die hier alles am Laufen halten. Alleine auf meinem Stockwerk, dem Executive Floor (klingt exklusiv, kostet aber nur mehr), sitzen zumeist  zwei bis drei Leute ganztägig in den Stühlen vor dem Aufzug. Deren nähere Aufgaben erschließen sich mir nicht, ich nehme an, dass es sich bei den Herren um Sicherheitspersonal handelt (oder um Stuhlwärmer). Auch in allen anderen Bereichen tummeln sich zahlreich Mitarbeiter, die irgendwelchen Aufgaben nachgehen. So zum Beispiel auch der nette uniformierte Herr im Erdgeschoss, dessen Hauptaufgabe es zu sein scheint die Knöpfe der Aufzüge zu drücken, sollte sich ein Gast in eine der oberen Etagen begeben wollen.
Meiner einer greift selbstverständlich auch auf diesen Service zurück, beispielweise um morgens in das Frühstücksrestaurant zu gehen, um mich dort mit Früchten, Rührei, Ceylon-Tee und Pancakes für den Tag zu stärken. Rahul ist bereits startklar, der Geschäftsführer der ersten Unternehmung die heute auf dem Programm steht, ebenfalls. Einen Kabelkonfektionär, Rohkabelhersteller, wie auch einen Leiterplattenbestücker lasse ich mir zeigen. Einziges Highlight an diesem Vormittag ist der Besuch der werkseigenen Kantine des Konfektionärs. Ich speise im Kreise aller Mitarbeiter, endlich mal kein besonderer Raum und kein spezielles Essen.
Zurück im Hotel verfüge ich noch über knapp eineinhalb Stunden, bevor mein Telefonkonferenz-Marathon beginnt und mich bis spät nach Mitternacht zum Wachbleiben zwingen wird. Nutze die Stunde sage ich mir und begebe mich schnurstracks auf die Straße, um nach einer Einkaufsgelegenheit zu suchen. Keine 10 Minuten nachdem ich das Hotel verlassen habe spricht mich ein junger Mann, der sich später als Da Silva vorstellen wird an. In welchem Hotel ich denn logiere und aus welchem Land ich komme will er interessiert wissen. Endlich mal ein Kontakt zur Landesbevölkerung außerhalb meiner geschäftlichen Gespräche. Es entwickelt sich ein angenehmes Gespräch nachdem er mir erzählt hat, dass er selbst im Taj Samutra, also meiner Unterkunft, an der Rezeption arbeite und sich nun auf dem Heimweg zu seiner Familie befinde. Mein Gesicht sei ihm daher irgendwie bekannt vorgekommen. Da Silva hat zwei Kinder, acht und fünf Jahre alt. Dies erfahre ich, nachdem er mich überredet hat mit ihm in einer Rikscha zu einem Tempel zu fahren, in welchem heute der letzte Tag der diesjährigen Neujahrsfeier zelebriert wird – er will mir etwas die Kultur seines Landes näherbringen. Der Tempel beherbergt in der Tat beeindruckende Buddha-Darstellungen und unzähligen, religiösen Krimskrams. Auch ein kleiner, sechsjähriger Elefant darf nicht fehlen, der sich angekettet im Innenhof des Tempels an einigem Grünzeug labt. Ich nehme Da Silva ab, dass dieser Elefant nur noch heute im Tempel weilt und ab morgen wieder in einem Zoo beheimatet sein wird. Während der Tour durch diesen museumsartigen Tempel zeigt mir Da Silva auch die Schätze, welche dieses Land zu bieten hat – in Glaskästen schimmernde Saphire in allen Farben. Das darauffolgende Genuschel meines neuen Bekannten verstehe ich nicht vollständig und folge ihm zusammen in der vorher angemieteten Rikscha, welche uns zu einem Edelsteinhändler bringt. Es schwant mir übles, dennoch folge ich ihm in den Laden und werde erstaunlicherweise auf Deutsch von einem der Mitarbeiter in ein Gespräch verwickelt. Schnell bekomme ich neben belanglosem Smalltalk zu hören, dass ich als Deutscher sicherlich nicht an Halbedelsteinen interessiert sei und ich mir doch die bunten Saphire anschauen sollte, die das Geschäft tonnenweise sein eigenen nennt. Etwas amüsiert lasse ich mir alle möglichen Varianten vorführen und erklären, welcher wohl am besten zu meiner Frau (dies ist eine Grundannahme, die jedem Besucher des Geschäftes unterstellt wird) passen würde. Heute sei der letzte Tag des Neujahrfestes, weshalb ich nur noch an diesem Tag in den Genuss eines besonders günstigen Angebotes käme – ich solle zuschlagen. Wie wäre es mit einem Anhänger in Silber mit einem eingefassten blauen oder rosé-farbenen Edelstein für 125 EUR oder doch ein Ring für meine Herzallerliebste für 275 EUR? Ein Spezialpreis nach dem anderen wird errechnet, ein ums andere Mal lasse ich meinem Gegenüber wissen, dass ich nicht das geringste Interesse an einem Kauf habe. War alles anfangs noch ein Spaß, wird es mir zu dumm und ich verabschiede mich höflich, um mit Da Silva das Geschäft nach knapp zwanzig Minuten wieder zu verlassen. Die eineinhalb Stunden sind rum und ich muss mich rasch auf den Weg ins Hotel machen. Interessanterweise ist die Rikscha noch vor Ort, die uns zuvor zum Tempel und durch die halbe Stadt zu diesem Juwelier gefahren hat. Am Hotel angekommen tritt ein, was ich erwartet hatte. Der Rikschafahrer verlangt 2.000 Rupien, was in etwa 14 EUR entspricht. Sehr bestimmt lasse ich ihn wissen, dass dies wohl ein Witz sei und er sich mit deutlich weniger zufrieden geben müsse. Gut, dann eben 1.000 Rupien, also sieben EUR. Dies entspricht ungefähr einem 3-Tageslohn eines Fabrikarbeiters in Sri Lanka und ist demnach ein Vielfaches eines Tageseinkommens des Fahrers. Als sich auch noch Da Silva einmischt, 1.000 Rupien seien normal und ich solle dies bezahlen, platzt mir der Kragen. Ich drücke dem Fahrer 700 Rupien in die Hand, um diesem Schauspiel ein Ende zu bereiten. Der nächste Akt lässt nicht lange auf sich warten und Da Silva verlangt seinen Obolus. Obolus für was? Bereits bei der Ankunft am Juwelierladen war mir klar geworden, dass es sich hier um eine Inszenierung á la Nepper – Schlepper – Bauernfänger handelt. Da Silva lässt nicht locker und meint, ich könne ihm doch die 1.000 Rupien geben die er in meinem Portemonnaie gesehen habe. Tatsächlich wollte ich ihn vor dieser Farce zu einem Getränk einladen bzw. ihm etwas Geld zukommen lassen. Da mir die 1.000 Rupien zu viel erscheinen schlage ich ihm vor, das Geld zu wechseln und ihm morgen an seinem Arbeitsplatz, der Rezeption,  etwas zu geben. Leider, leider ist er morgen im Urlaub lässt er mich wissen, woraufhin ich ihm mitteile die Aufmerksamkeit am Empfang für ihn zu hinterlegen. Dies scheint sein Stichwort gewesen zu sein und er verschwindet so überraschend, wie er aufgetaucht ist. Mir wird klar, dass der Bursche nicht in meinem Hotel beschäftigt ist und er ob der hoffnungslosen Lage an mein Geld zu kommen das Weite gesucht hat.
Erschöpft und ernüchtert verbringe ich restlichen Abend auf meinem Zimmer am Telefon. Um 0:30 Uhr ist der Tag für mich gelaufen. Morgen geht es abends nach Mumbai, zurück auf den indischen Subkontinent.









Mittwoch, 18. April 2012

Rasante Fahrt mit Glück im Unglück


Heute wird sich das „Go fast, go fast, hurry, hurry“ von Rahul unschön rächen. Der Reihe nach:
Den Morgen verbringe ich mit einem ausgiebigen Frühstück, um mich für den Tag zu stärken. Heute steht mein Office-Tag an, kein Lieferantenbesuch ist geplant. Nach all den Terminen der letzten Tage komme ich nun endlich dazu einige der Besuchsberichte fertigzustellen, sowie Emails abzuarbeiten. Gegen 11:00 Uhr klingelt Rahul durch und teilt mir mit, dass er den für Donnerstag geplanten Lieferantenbesuch auf heute Nachmittag verlegen konnte und wir um 12:30 Uhr abfahren. So weit so gut, somit habe ich am Donnerstag keine Termine und kann zum einen meine Büroarbeiten verrichten, zum anderen noch einen kleinen Eindruck von Colombo gewinnen.
Rahul hat wie immer ein Taxi organisiert, welches uns durch den hektischen Verkehr der Hauptstadt an unser Ziel bringt. Nach gut 45 Minuten wird die Fahrt laut unserem Fahrer noch ca. 15 Minuten dauern. Fünfzehn Minuten später, addiert er nochmals die gleiche Zeit hinzu. Letztendlich sind wir nach neunzig Minuten, inklusive einer kurzen Unterbrechung am Straßenrand um Geld abzuheben, sowie eine Kokosnuss zu trinken am Ziel angekommen. Die Fabrik befindet sich mitten in einem Wohngebiet, umgeben von Palmen und Mangobäumen, welche bereits stattliche Früchte tragen.
Hier haben sich drei Schweizer Unternehmer eine verlängerte Werkbank (einen Niedriglohnkosten-Standort) geleistet und produzieren neben bestückten Leiterplatten einfach Kabelstränge.
Auf dem Rundgang durch die Produktion fällt mir sofort auf, dass alles sehr gedrungen ist, kein Meter wird verschenkt und die Abläufe scheinen etwas hemdsärmelig organisiert zu sein. Mein Eindruck ist leider nicht besonders positiv, hier wäre viel Arbeit zu leisten, wollten unserer beiden Unternehmen ins Geschäft kommen.
Einen KFC-Burger und Mango-Saft später rauschen wir schon wieder zurück ins Hotel. Rahul hat eine wichtige Telefonkonferenz, an welcher er teilnehmen muss. Das Problem besteht darin, dass Rahul denkt, eine eigentlich neunzig-Minuten dauernde Fahrt innerhalb eines Drittels dieser Zeit  bewerkstelligen können, solange er auf den Fahrer durch seine Kommandos entsprechend Druck ausübt. Mir selbst ist diese rasante Fahrt eindeutig zu gefährlich und ich weise Rahul mehrfach darauf hin, dass ich nicht vorhabe in Colombo zu sterben. Mit einem Lächeln tut er dies wieder und wieder ab und gibt mir, wie schon zahlreiche Male zuvor den Tipp, einfach die Augen zu schließen. Es kommt wie es kommen musste. In einem riskanten Überholmanöver, in welchem der Fahrer zwischen zwei Fahrzeuge gelangt knallen wir in eines dieser Autos – auf meiner Seite wohlgemerkt.
Glücklicherweise bleibt es bei einem Blechschaden und Schreckmoment. Dies nehme ich zum Anlass Rahul ein für alle Mal einzunorden und ihm sehr deutlich zu zeigen, wer in diesem Fall der Chef im Ring ist und, dass ich diese Raserei im Sinne aller Beteiligten nicht weiter tolerieren werde.
Wesentlich entspannter setzen wir unsere Fahrt nach dem Austausch der Versicherungsdaten und einem Smalltalk, in welchen sich natürlich auch Rahul einmischt fort, um eine Stunde später im Hotel zu sein. Ob der turbulenten Ereignisse der vergangenen zwei Stunden verspüre ich nicht viel Lust mich noch an die Aufarbeitung des Tages zu machen. In einem dem Hotel zugehörigen Steakhouse nehme ich mein Abendessen in Form einer gegrillten Hähnchenbrust ein, ehe ich mich bald danach schlafen lege. Mehr gibt es heute nicht zu berichten – Gute Nacht!

Dienstag, 17. April 2012

Ceylon


Der Flug nach Chennai benötigt gerade einmal etwas über einer Stunde, kaum der Rede wert also. Am heutigen Tag ereignet sich auch nicht sonderlich viel. Im Osten des Landes angekommen schnappen wir uns ein Taxi für die kommenden 3-4 Stunden. Das erste Ziel das wir ansteuern ist ein Elektronik- und Induktivitätenhersteller. Der Verkehr in Chennai ist weniger dramatisch als dies in den anderen von mir bisher besuchten Regionen der Fall war. Dies mag aber auch an der Mittagszeit liegen. Weniger als 45 Minuten später treffen wir den Geschäftsführer und einen seiner Mitarbeiter, die uns in der Produktionsstätte herumführen. Der Großteil des Maschinenparks ist bereits in die Jahr gekommen, alles wirkt sehr gedrungen und etwas hektisch. U.a. werden hier RFID-Lösungen für unterschiedlichste Anwendungen hergestellt, u.a. eine Art Pille, die vor einer Operation geschluckt bzw. eingesetzt wird, um zu überwachen, dass keine Instrumente, etc. im Körper vergessen werden. Die Fertigungsmöglichkeiten sind vorhanden, namhafte Kunden werden seit Jahren bedient.
Auf dem Plan steht ein weiterer Lieferant für Spulen, etc. . Jedoch müssen wir diesen streichen, rennt uns die Zeit doch davon. Gegen 18:00 Uhr sind Rahul und ich bereits wieder am Flughafen, haben eingecheckt und einen Platz gesucht und gefunden, an welchem ich mich zu meiner monatlichen Telefonkonferenz einwählen kann. Zuvor habe ich vergeblich versucht aus dem Sicherheitsbereich zurückzukommen, um in in der Lufthansa-Lounge das Telefonat zu führen. Diese war mir erst später aufgefallen. In Indien scheint es jedoch selten vorzukommen, dass ein Passagier nach der der Sicherheitskontrolle zurück möchte und so kommt es, dass ich mich einer Diskussion mit mehreren Sicherheitsbeamten ausgesetzt sehe. Im Wissen diese Konversation nicht zu meiner Zufriedenheit beenden zu können gebe ich auf und bleibe im Bereich der Abfluggates.
Dank kostenlosem Wlan-Zugang bin ich über Skype mit meinen Kollegen in Europa und den USA verbunden und verbringe die nächsten zwei Stunden in der Konferenzschaltung. Entgegen meiner Vermutung eines mehrstündigen Fluges nach Colombo, dauert auch dieser Abstecher nur eineinhalb Stunden. Mein erster Flug mit Sri Lankan Airlines ist absolviert! Dass die Maschine schon sehr in die Jahre gekommen ist, war kaum zu übersehen. Dennoch sind wir pünktlich in Colombo gelandet, immigrieren rasch und fahren durch den warmen Monsunregen ins Hotel Taj Samutra, in der Innenstadt von Colombo. Das Wetter unterscheidet sich kaum von Indien, mit Ausnahme der deutlich höheren und drückenderen Luftfeuchtigkeit. Spät abends zeigt das Thermometer noch immer stolze 32 Grad Celsius. Es ist spät geworden an diesem Abend, erst um 0:30 Uhr lege ich mich schlafen.

Montag, 16. April 2012

Meeresrauschen und Sightseeing

Flughafen Thiruvananthapura, es ist Montag der 16.04.2012, 11:30 Uhr. Eine Maschine der JetAirways bringt mich innert gut zwei Stunden nach Chennai. Einen potentiellen Software-Servicedienstleister besuchen wir heute Morgen noch vor unserem Abflug. Lediglich eine Stunde bringen wir dafür auf, wir wollen uns einen schnellen Überblick verschaffen und sind unter Zeitdruck. 27 Stunden zuvor.
Die Sonne lacht das Meer schimmert grünlich, Palmen biegen sich sanft mit dem Wind, ich habe eben Licht in mein Zimmer gelassen. Ich hätte durchaus noch ein paar Stunden im Bett verbringen und so ein wenig des Schlafdefizits aufholen können. Carpe diem, das Wochenende hat nur noch einen Tag und den möchte ich nutzen!
Zum hauseigenen Strand sind es nur wenige Meter, die ich per pedes zurücklege, ehe ich mit leichtem Anlauf ins lauwarme Nass des indischen Ozeans hüpfe. Es gleicht einer Wohltat, sich vom Wasser tragen und treiben zu lassen, keine Termine heute, niemand der mich irgendwo hinschleppen möchte. Fast! Rahul hat ein kleines Programm für heute Mittag ausgearbeitet. Trotz mehrfacher Bitte doch einen Ausflug in die Backwaters zu unternehmen, um dort die Flora und Fauna Kerala’s genießen zu können, schleppt er mich zu Tempeln und Museen. In gut vier Stunden besuchen wir dank gebuchtem Fahrer einen Tempel, einen Palast und ein Museum. Zwei weitere Tempel fahren wir an, dort gibt es jedoch außer Müll nichts zu entdecken, befinden diese sich hinter Mauern, die mir als Nichtgläubigen den Zutritt verwehren. Tatsächlich bin ich etwas enttäuscht von diesem Ausflugsprogramm, wobei sich Rahul große Mühe gegeben hat mir einen angenehmen Nachmittag zu gestalten. Auf dem Rückweg zum Hotel wollen wir uns noch einer ayurvedischen Massage unterziehen, für die diese Region berühmt zu sein scheint. Die Lokation erweist sich allerdings als nicht sehr einladend, zudem gibt es nur einen Masseur, der andere hat heute frei.  Statt eine Stunde auf Rahul zu warten beschließe ich ins Hotel zurückzukehren und mich der Entspannung in Form von einem weiteren Strand- und Badebesuch hinzugeben. Die Massage war wohl laut Rahul tatsächlich ganz in Ordnung, jedoch wie vermutet hielt die Lokation was sie rein äußerlich betrachtet versprach. Vor dem Spaß steht bekanntlich der Ernst, welcher an diesem späten Nachmittag in einem Besuch des hoteleigenen Fitnessraums besteht. Das schwül-heiße Wetter macht es mir nicht einfach, sonderlich lange das Laufband zu traktieren, der Ausblick auf den freien Ozean erleichtert dies. Wie erwähnt gehe ich danach baden, um hinterher frisch geduscht mit Rahul ins Vivanta by Taj zu fahren, um dort zu dinieren.
Das Vivanta by Taj gehört zur Taj Hotelgruppe, welche wiederum zu Tata (u.a. Hersteller von Automobilen), einem der größten indischen Unternehmen angegliedert ist. Dort angekommen schauen wir uns kurz im Hotel um, dies könnte für das nächste Mal meine Wochenenddestination werden. Die Fahrt im E-Cart (auch bekannt als Golf-Wägelchen) zum Seafood-Restaurant könnte romantischer nicht sein, führt sie im Dunkeln auf einem geschlängelten Weg vorbei an einem Backwater, durch sanftes Licht und hunderte Leuchten illuminierte Palmen und dem immerwährend rauschendem indischen  Ozean. Was würde ich dafür geben diesen Augenblick mit meinem Mann genießen zu können. Sei es wie es ist, wir schlemmen heute Abend in einem offenen, großzügig und traditionell-modern eingerichteten Pavillon. Vorzüglicher Red-Snapper, sowie weitere fein, wenn auch etwas schärfer gewürzte Fischvariationen stillen meinen Hunger. Umrundet wird das Ganze von einem Glas indischen Sauvignon-Blanc, welcher fruchtig mit Noten von Holunderbeeren, sowie etwas (zu) holzig daherkommt. Der Abend nimmt seinen Lauf, ich sinke sanft in den Schlaf und erlebe eine grauenvolle Nacht voller Albträume und schweißtreibendem, mehrfachen Aufwachen. Ob das an meiner etwas missfallenden Beachtung der in schlechtem Zustand ausgestellten Exponate von indischen Gottheiten gelegen hat?
Ein morgentliches, für die kommenden Tage letztes Bad im indischen Ozean eröffnet die neue Arbeitswoche. Nach einem Lieferantenbesuch sitze ich nun in der Maschine nach Chennai und fasse die letzten Tage geschäftlicher Natur in diversen Berichten zusammen.


 Natürlich genießt auch Rudi Reise dieses wundervolle Wetter und die Umgebung





Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blogverzeichnis Blog Top Liste - by TopBlogs.de